Til
Eulenspiegel Einige
der lustigen Geshichten über
Till Eulenspiegel, der bekannte
Spaβmacher, der um 1300 n.Ch. im Braunschweigichen Herzogtum
Lauenburg geboren sein und
dort gelebt
haben soll . Im Städtchen Mölln, das inmitten lieblicher
Seen und Buchenwaldungen liegt,
kann der Besucher
noch heute den Grabstein Till Eulenspiegels und dazu den verrosteten Degen, sowie
einen Streifen Bandeisen, der wie ein Brillenreif gebogen ist, sehen.
Dieser
Degen und die Brille sollen dem Narren des deutschen Volkes gehört
haben. Der Grabstein ist die einzige schriftliche Urkunde, die
beglaubigt,
dass Till Eulenspiegel
wirklich gelebt hat und im
Jahre 1350 im Mölln gestorben ist, Auf diesem Grabstein
steht geschrieben:
Diesen
stein soll niemand erhaben
Hie
stat Ulenspiegels begraben.
Anno
Domini MCCCL
jahr .
Einer der Verfasser verschiedener Erzählungen ist der seiner
Zeit bedeutendste niederdeutsche Dichter Hermann Bote.
Eulenspiegel
soll ein Handwerk lernen
Seine Mutter drängte ihn, ein Handwerk zu erlernen. Die Mutter tadelte
ihn,
weil er
kein Handwerk erlernen wollte. Er schwieg,
aber sie ließ
nicht davon ab. Da sagte Eulenspiegel zu ihr: ,,Stetes Bemühen trägt
reichliche Früchte, so
sagt ein Sprichwort. ‘‘
Da
sprach die Mutter: ,, Ich habe seit
fast vier Wochen kein
Brot mehr
im Hause. ‘‘
,,Das
ist keine Antwort‘‘, erwiderte Till und
ging aus dem
Haus . Er
ging in die
Stadt und sah dort eine sehr große und
gute Bäckerei.
Er
wandte
sich an den Bäckermeister und sagte: ,,
Mein Herr bittet
mich ,
ihm Roggen- und Weißbrot zu zehn Schilling ins Haus zu bringen. ‘‘
Er nannte den
Namen eines bekannten Herrn aus der Gegend und sagte,
dass sich dieser für einige Tage in der Stadt aufhalte und gab
auch den Namen der
Pension . Er bat den Bäcker, einen Jungen
mitzuschicken, damit der Herr diesem das
Geld geben könne. Der
Bäcker war einverstanden.
Eulenspiegel
hatte einen
Sack bei sich, der ein
Loch hatte. Er ließ sich das Brot
in diesen Sack stecken, und der Bäcker schickte einen Jungen mit,
der das Geld einkassieren sollte.
Nicht
weit vom Geschäft entfernt ließ Till das Weißbrot
durch das Loch
auf die Straße fallen. Da stellte er den Sack, in dem sich aber noch
das
andere Brot befand, nieder und sagte zu dem Jungen: ,,Dieses
beschmutzte Brot darf ich meinem Herren nicht
nach Hause Bringen.
Lauf rasch zum Bäckermeister und tausche es um und bringe mir ein
neues Weißbrot. Ich warnte
hier mit meinem Sack auf
dich . ‘‘ Der
Junge lief zurück und holte das Brot.
In
der Zwischenzeit war Eulenspiegel aber auf dem Weg zu seiner Mutter
und als der Junge an die
Stelle kam, wo Till auf ihn warten wollte,
fand er niemanden.
Als
der Junge dem Bäckerei davon berichtete was geschehen war, machte
sich dieser selbst auf den Weg, um zu der ihm genannten Pension zu
gehen . Dort war aber niemand und der Bäcker erkannte, dass er
betrogen worden war.
Eulenspiegel
kam nach Haus und brachte der Mutter das Brot und sagte: ,, Iss,
solange du etwas hast und faste,
wenn du
nichts zu
essen hast. ‘‘
Till
Eulenspiegel, der Wunderdoktor
Till
zog eines Tages gen Nürnberg und
schlug an Kirchen- und Rathaustüren
Zettel an, worauf er sich als Arzt und Heiler aller Krankheiten
ausgab.
Die
Krankenhäuser der Stadt waren überfüllt und die Ärzte konnten
keine weiteren Kranken behandeln. Da ging der Leiter des Spitals zu
Eulenspiegel und versprach ihm eine hohe Belohnung, wenn er die
Kranken heilen würde.
Till
präsentierte sich und fragte zuerst einen Krankenpfleger, was den
Einzelnen fehle. Daraufhin wandte er sich direkt an
jeden Kranken und
flüsterte ihm zu: ,,ich kann alle Kranken heilen, allerdings brauche
ich eine ganz besondere Medizin dazu. Ich
muss aber einen von
euch töten, um
diese Medizin zu gewinnen und alle
anderen gesund zu
machen . Natürlich will ich dazu den Schwächsten und Kränksten
nehmen, der nicht laufen kann. Wenn ich also rufe, so steht schnell
auf und kommt zu mir heraus,
denn den Letzten muss ich töten. ‘‘
Die
Kranken zittern von
Angst und sobald Eulenspiegel an der Tür des
Krankensaales erschien und rief: ,,Wer nicht krank ist, soll
sofort herauskommen ‘‘ , standen alle Kranken sofort aus ihren Betten
auf und liefen so schnell sie nur konnten zur Tür. Darunter auch
solche, die schon monatelang schwer krank das
Bett hüten mussten.
Das Spital war
leer und Eulenspiegel erhielt den ihm versprochenen
Lohn, womit er sofort aus der Stadt verschwand.
Wenige
Tage später aber kamen alle Kranken wieder zurück und weinten und
klagten über ihre Gebrechen.
Da
erfuhren die Ärzte erst, welchen Trick Eulenspiegel angewandt hatte,
um die
armen Leute aus den Betten zu holen. Es war aber zu spät,
denn Till war bereits mit dem Geld verschwunden.
Das
Gespräch mit dem Papst
Mit
durchtriebener Schalkheit war Eulenspiegel ausgestattet. Er dachte an
das alte Sprichwort: ,,Wer nach Rom zieht,
such einen Schalk, beim
zweiten Mal
findet er ihn, beim dritten Mal bringt er ihn mit. ‘‘
In
Rom angekommen suchte er Unterkunft bei einer Wirtin. Die Frau
bewunderte Eulenspiegel, da er ein schöner und lustiger
Mann war.
Er
erzählte ihr, dass er aus einem Lande im Kreis Sachsen stamme und
dass er nach Rom gekommen sei, um den Papst zu
sprechen .
Da
lachte die Frau und sagte: ,,Ihr werdet wohl den Papst sehen können,
aber mit ihm sprechen ist ausgeschlossen. Ich bin hier geboren und
aufgewachsen, aber ich hatte noch nie Gelegenheit, auch nur ein Wort
mit ihm zu wechseln. Wie
wollen Sie das also so schnell erlagen? Ich
gäbe wohl
gern hundert Dukaten, wenn es mir einmal gelingen sollte.
‘‘
Eulenspiegel
sagte: ,,Liebe Frau, wenn ich es schaffe, Sie vor den Papst zu
bringen, so dass Sie mit ihm reden können,
werden Sie mir
dann wirklich die hundert Dukaten geben? ‘‘
Die
Frau hatte es
eilig und gelobte, ihm die Dukaten zu geben, sobald er
diesen Plan verwirklichte. Sie war aber gewiss, dass es ihm nie
gelingen würde.
Eulenspiegel
wiederholte also: ,,Wenn es also geschehen
wird , verlange ich die
versprochenen hundert Dukaten. Das ist Ihr Ehrenwort! “
Eulenspiegel
wartete vier Wochen, bis der Papst eine
Messe in der Kapelle
Hierusalem
lesen sollte. Als die Messe nun gelesen war, drängte sich
Eulenspiegel in die Kapelle so nah wie möglich an den Papst heran
und als er die Stillmess hielt, kehrte Eulenspiegel dem
Sakrament den
Rücken zu. Das
sahen nun die Kardinäle, und als der Papst den Segen
über den
Kelch gab, kehrte sich Eulenspiegel wieder um. Am Ende der
Messe berichteten Die Kardinäle dem Papst, dass ein Mann während
der Stillmesse dem
Altar den Rücken gedreht hatte.
Der
Papst sagte: ,,Das geht gegen die
Kirche , und wenn ein Mann solches
getan , so ist zu befürchte, dass er kein guter
Christ ist. “
Er
befahl damit, dass man den Mann zu ihm bringen solle. Eulenspiegel
wurde gerufen und der Papst fragte ihn, was er für ein Mann sei.
Eulenspiegel antwortete: ,, Ich bin ein Christ und habe wie
meine Wirtin den christlichen Glauben “, und nannte ihren Namen.
Da
befahl der Papst, die Frau
kommen zu
lassen und fragte sie ebenfalls
nach ihrem Glauben. Die Frau sagte, dass sie eine Christin sei und an
die Regeln der Kirche festhalte und nur das tue, was die Christliche
Kirche gestatte; sie habe keinen anderen Glauben.
Eulenspiegel
stand dabei und konnte sich das Lachen kaum verkneifen und sprach:
,,Allergnädigster Vater. Knecht, aller Knechte, denselben Glauben
habe auch ich; ich bin ein guter Christ. “
Der
Papst sprach: ,,
Warum hast du dann während der Stillmesse dem Altar
den Rücken zugekehrt? “
Eulenspiegel
erwiderte: „Allerheiligster Vater. Ich bin ein armer, großer
Sündern und war meiner Süden bewusst. Ich hatte daher nicht den
Mut, mich dem Altar zuzuwenden, solange ich meine Süden nicht
gebeicht hatte. “
Da
war der Papst zufrieden, verließ Eulenspiegel und ging in einem
Palast. Till ging aber sofort zu seiner Wirtin, um die ihm
versprochenen hundert Dukaten einzukassieren; und sie musste sie ihm
geben.
Im
Weinkeller
Eulenspiegel
betrog den Verwalter des Ratsweinkellers zu Lübeck, indem er ihm
eine Kanne Wasser für eine Kanne
Wein gab.
Es
war zu der Zeit ein Verwalter des Ratsweinkellers in Lübeck, der
sehr arrogant und eingebildet war. Er war überzeugt, dass niemand so
klug sei wie er und dass ihn daher niemand betrügen könne.
Darum
wurde er von den
Bergen gehasst. Als nun Till Eulenspiegel von dem
Übermut dieses Verwalters hörte, hatte er Lust, ihm einen Streich
zu
spielen , um seine wirkliche Klugheit zu prüfen.
Er
nahm zwei Krüge, die die gleiche Form hatten. Den einen füllte er
mit Wasser und den anderen ließ er leer. Den mit Wasser gefüllten
versteckte er
unter seinem
Mantel , während er den anderen in der
Hand trug. Er ging in den Weinkeller und ließ sich ein Maß Wein
einschenken, versteckte danach den mit Wein gefüllten
Krug unter
seinem Mantel und zog dafür den mit Wasser gefüllten Krug hervor,
ohne dass ihn jemand sah und setzte sich wieder auf die
Bank . Dann
sagte er zum Verwalter: ,, Was kostet das Maß Wein? “
„ 10
Pfenning“, sagte dieser, „Das ist zu
teuer , ich habe nur6
Pfenning, darf ich ihn dafür haben?“
Der
Verwalter wurde zornig und sprach: „Willst du etwa meinen Herren
den
Preis vorschreiben? Das ist ein Kauf zu festgesetzten Preisen!
Wem das nicht recht ist, der
lasse den Wein im Keller!“
Eulenspiegel sagte
ruhig :“ Ich habe die 6 Pfenning; wollt Ihr sie
nicht, dann gießt den Wein wieder ins Fass.“‘
Da
nahm er Verwalter zornig den Krug und meinte, es sei der Wein- es war
aber Wasser- und goss den Inhalt zurück in die Weintonne, und
sprach: „Was
bist du für ein
Narr . Lässt dir Wein einschenken und
kannst ihn nicht
bezahlen .“
Eulenspiegel
nahm den leeren Krug und sagte: „Ich sehe wohl, dass du ein Tor
bist. Es ist niemand so weise, als dass er sich nicht von Narren
betrügen ließ, auch, wenn es ein Verwalter ist.“ Mit diesen
Worten ging Till weg und trug den anderen Krug mit dem Wein unter
seinem Mantel während er leeren Krug in der Hand Behielt.
Eulenspielegel
in Magdeburg
Bei
seinem Besuch in Magdeburg baten ihn die Leute, die ihn als Schalk
kannten, ihnen einen neuen Spaß zu zeigen. Er war sofort
einverstanden und sagte: „Heute will ich euch beweisen, dass ich
vom Rathausturm hinunterfliegen kann.“
Viele
Neugierige versammelten sich vor dem
Rathaus , um den Schauspiel
beizuwohnen.
Till
stand auf dem
Turm und bereitete seine Arme wie Flügel aus, und die
Leute sahen gespannt nach
oben . Da lachte aber Till und rief laut:
„Ich sehe, dass ich nicht der einzige Narr bin. Im Gegenteil: Ihr
seid Narren! Wenn ihr mir gesagt hättet, dass ihr imstande seiet zu
fliegen , hätte ich es nicht gelaugt. Ihr wartet aber gespannt
darauf, dass ich fliege, obgleich ihr alle seht, dass ich keine
Flügel habe.“
Die
Leute gingen verlegen und enttäuscht nach Hause.
Till
Eulenspiegel in Büddenstedt
Till
kam in das
Dorf Büddenstedt und ging zum Priester ins Haus. Der
Priester hielt ihn für einen Knecht und, obgleich er ihn nicht
kannte, nahm er ihn in seinem Haus auf und sagte: „ Du sollst es
für deine Dienstleistungen gut bei mir haben. Du sollst essen und
trinken wie meine Haushälterin und alles, was du zu tun haben wirst,
ist nicht schwer.“
Eulenspiegel
war einverstanden und sagte zu, sich danach richten. Er bemerkte,
dass die Haushälterin nur ein Auge hatte.
Sie
nahm sofort zwei Hühner und steckte sie an den Spieß und forderte
Till auf, sich daneben zu setzen und sie zu braten. Und nachdem die
Hühner nun fast gar waren, dachte Till an die Worte des Priesters,
der ihm sagte: „Du sollst so gut essen und trinken wie ich und
meine Haushälterin.“ Da brach er eines der Hühner vom Spieß ab
und aß es ohne Brot.
Bald kam die Mittagszeit heran und die Haushälterin ging in die Küche,
um die gebratenen Hühner zu holen. Da sah sie, dass nur noch ein
Huhn am Spieß war und sagte zu Till: „ Es waren zwei Hühner,
jetzt sehe ich nur noch
eins , wo ist das zweite?“
Eulenspiegel
antwortete: „Liebe Frau, mache auch dein zweites Auge auf, dann
siehst du, dass
beide Hühner noch am Spieß stecken!“
Die
Frau war beleidigt, dass Till sie auf ihre Einäugigkeit hinwies und
wurde zornig und rannte zum Priester: „Das ist mir ein schöner
Knecht. Er verspottet mich, weil ich nur ein Auge habe. Ich weiß
aber, dass zwei Hühner am Spieß steckten und jetzt steckt nur noch
eines darauf.“
Der
Priester ging in die Küche und sprach: „Warum hast du die Frau
verspottet?
Und ich sehe, dass von den beiden Hühner nur noch
eins da ist!“
Till
erwiderte: „ja, Herr Priester, es sind wohl zwei gewesen.“
„Wo
ist das andere denn geblieben?“, fragte ihn der Priester.
„Macht
beide Augen auf und Ihr werdet sehen, dass das Huhn am Spieß steckt.
Das sagte ich auch Eurer Haushälterin. Da wurde sie zornig und lief
weg.
Da
musste der Priester lachen und sprach: „Das kann die Frau nicht,
denn sie hat nur ein Auge.“
„Das
sagt Ihr nun, aber ich
durfte es nicht
sagen , ohne die Frau zu
beleidigen.“
„Na,
gut! Es ist nun geschehen und sie wird dir verzeihen. Aber das eine
Huhn ist
trotzdem verschwunden.“
„Ja,
ich habe es gegessen. Als Ihr mir sagtet, dass ich so gut essen und
trinken solle, wie Ihr und Eure Haushälterin, wollte ich nicht, dass
Ihr zu einem Lügner Werdet. Ihr hättet die beiden Hühner gegessen,
und ich hätte nichts davon abbekommen, deshalb aß ich das eine Huhn
auf.“
Der
Priester gab sich also zufrieden und sagte: „Meine lieber Knecht,
es ist mir nicht um den Braten zu tun, aber richte dich ab heute nach
dem Willen meiner Haushälterin und tue das, was sie gern sieht!“
„Gut“,
sagte Till, „das
werde ich befolgen!“
Von
da an tat Eulenspiegel alles nur zur Hälfte, was ihm die
Haushälterin auftrug. Wenn er einen Eimer Wasser holen sollte,
brachte er einen halb gefüllten, und wenn er zwei Stücke
Holtz für
den
Kamin bringen sollte, brachte er nur eins. Sollte er dem Stier
zwei Bündel Heu geben, gab er ihm nur eins. Sie sollte also merken,
dass er es absichtlich tat, um sie zu ärgern.
Nun
ging die Haushälterin erneut zum Priester, um sich zu beklagen. Der
Priester ließ Till zu sich kommen und sagte: „Meine Haushälterin
beklagt sich über dich, und hatte dir
doch gesagt, dass du alles tun
solltest, was sie gern sähe.“
„Ja,
Herr“, sagte Eulenspiegel, „ich habe auch nichts anderes getan,
als was Ihr mir befohlen Hattet. Ihr sagtet, dass ich alles tun
solle, was die Frau gern sehe. Sie möchte gern mit beiden Augen
sehen, aber sie sieht nur mit einem, und deshalb habe auch ich nur
die Hälfte der
Arbeit getan.“
Der
Priester lachte, aber die Frau wurde zornig und sagte: „Herr, wenn
Ihr den Spitzbuben länger behalten wollt, so werde ich von Euch
gehen.“ So musste der Priester gegen seinen Willen Eulenspiegel aus
seinen Diensten entlassen. Till begann aber danach, mit den Bauern zu
verhandeln, und als ein Kirchenbediensteter gestorben war, da sprach
der Priester mit den Bauern, und ihm gelang es, dass man Eulenspiegel
zum neuen Küster wählte.
Till
als Seiltänzer
Eulenspiegel
wollte kein richtiges Handwerk erlernen, sonder zog es vor, sich in
verschiedenen Künsten zu üben. Heimlich, ohne dass seine Mutter es
merkte, übte er die
Kunst des Seillaufens auf dem Speicher des
Hauses.
Als
er
ziemlich sicher darin war, zog er einmal das Seil über einen
Fluss von seinem Haus zu dem Haus eines anderen.
Die
Leute schauten nach oben und blieben verwundert
stehen , aber seine
Mutter, die das nicht duldete, schnitt das Seil durch und fiel in den
Fluss. Die Zuschauer lachten ihn aus und verspotteten ihn noch lange.
Das krängte ihn, und er suchte sich zu rächen.
Eines
Tages zog er wieder das
Steil über eine Straße hinweg und versprach
denen, die sich darunter neugierig versammelt hatten, ihnen ein
schönes Schauspiel den linken Schuh. Die Leute lachten und gaben ihm
alle einen Such. Als er einen ganzen Sack voll hatte zog er diese auf
eine Schnur und stieg damit zum Seil hinauf.
Alle
sahen gespannt nach oben. Als er auf dem Steil stand, ließ er alle
Schuhe auf die Straße fallen und rief frech: „Jetzt kann sich
jeder von euch seinen Schuh suchen!“ Aber alle waren durcheinander
gefallen und die Leute suchten undstritten sich untereinander, denn
es war sehr schwierig den richtigen Schuh zu
finden . Sie ergriffen
den falschen und es kam einer allgemeinen Rauferei.
Till
beobachtete alles oben vom Seil aus und lachte sie so aus, wie sie es
getan hatten, als er in den Fluss gefallen war. Das war seine
Genugtuung.
Eulenspiegels
letzte
Reise Eulenspiegel
zieht auf Befahl des Polenkönings übers Meer an den Hof des
Dänenfürsten. Sein Name dort schon bekannt, bevor er eintraf. An
allen Fürstenhöfen redete man von Tills Schalkheit.
Der
König von Dänemark war ein geselliger Herr und liebte den Scherz.
Er sah daher die Sendung Eulenspiegels an seinem Hof einen besonderen
Beweis der Zuneigung seines königlichen Vetters von Polen.
Er
sollte also nun auch hier seine Schalkheit verüben. Eulenspiegel war
natürlich gern dazu bereit und fragte: „Wollt Ihr mir mein Pferd
aufs Beste beschlagen lassen, gnädiger Herr?“
„Gewiss,
Meister Till, mit dem
besten Hufbeschlag“, antwortete der König.
Eulenspiegel
ritt nun zum Goldschmied und ließ sein Pferd mit goldenen Hufeisen
und silbernen Nägeln beschlagen; dann
trat er von König Waldemar
und sagte: „Mein Pferd hat neues Schuhwerk bekommen, gnädiger
Herr, der Goldschmied muss bezahlt werden. Der König schickte seinen
Schreiber, um die Rechnung zu begleichen. Dieser aber kam empört zum
König zurück und meldete ihm die unverschämt hohe Rechnung, die er
sich weigerte zu bezahlen.
Der
König ließ Till zu sich rufen und sagte: „ Was für einen teuren
Hufbeschlag habt Ihr Euren Pferde machen lassen? Wenn wir all unsere
Pferde so beschlagen ließen, würde unser Land arm werden.“
„Gnädiger
König und Herr“ , antwortete Eulenspiegel, „die Forderung des
Goldschmieds ist nicht zu hoch; ich habe das Pferd mit goldenen Hufen
und silbernen Nägeln beschlagen lassen.“
„Damit
war ich aber nicht einverstanden“, sagte der König.
„Gnädigster
Herr, Ihr hattet mit Euer Einverständnis gegeben und ich habe Euch
beim Wort genommen. Es gibt keinen besseren Beschlag als
Gold und
Silber.“
Der
König lachte und sprach: „Gut, Ihr seid mein treuer Knecht, der
tut, was man ihm befiehlt: ich will daher die hohe Rechnung
bezahlen.“
Als
nun die polnischen Herren ihre Botschaft ausgerichtet hatten und
wieder den Heimweg antreten wollten, weigerte sich Till mit ihnen,
wie auf der Anreise, über die See zu
reisen , weil er das Wasser
nicht liebte. Er wollte den Landweg reiten. Erließ seinem Pferd die
Gold hufe abmontieren und erneut den Eisenbeschlag aufsetzen. Dann
ritt er durch das Herzogtum Schleswig ins
deutsche Reich.
Als
Eulenspiegel nun durch die Stadt Mölln ritt, wurde er von einer
Krankheit befallen und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Da
besuchten ihn Freunde und viele Leute der Stadt, um zu erfahren, wie
es ihm ginge. Auch der Bürgermeister kam an sein Krankenlager und
fragte ihn, ob er einen Wunsch habe.
„Ja,
ich habe noch einen Wunsch“, sprach Till. „Wollt Ihr ihn mir
erfüllen?“
Alle
sagten ihm die Erfüllung des Wunsches zu, und Till sprach: „Gut,
mein einziger Wunsch ist, dass Ihr alle nach Hause geht und mich
allein sterben lasst!“
Als
Eulenspiegel nun
immer kränker wurde, machte er sein Testament.
Er
teilte sein Gut in drei Teile. Einem Teil sollten die Freunde, den
zweiten Teil der Rat von Mölln und den dritten der Pfarrer dieser
Stadt erhalten. Zur Bedingung machte Till, dass er christlich
beerdigt würde und dass man danach für ihn
Messen lese.
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