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Saksa kirjandus 1945-st kuni tänapäevani - eksami kordamisküsimused (0)

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Kann man in Nachkriegsdeutschland von der „Stunde Null“ sprechen ? Nein . Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 war man in Deutschland nicht an einem historischen „ Nullpunkt “ angelangt. Von einem „Vakuum“ konnte man nicht sprechen, von einer „Stunde Null“ konnte nicht die Rede sein, auch nicht im kulturellen Leben nicht, trotz der Brüche. Die Traditionen bestanden weiter.
Gab es im kulturellen Leben eine Kontinuität? Was bildete den dominanten literarischen Trend der Kontinuität?
Kontinuitäten wirken fort . Vor allem die Tabula rasa Stimmung.
Literaturexperimente
Tradition weiter führen
Die „inneren Emigranten“ geben den Ton an.
Warum wurde die Nachkriegsliteratur als „Trümmerliteratur“ bezeichnet? Wer hat 1952 darüber einen Aufsatz veröffentlicht? Wie überschreibt er seinen Text?
Als was für eine Literatur hat man Heinrich Böll zufolge die ersten schriftstellerischen Versuche seiner Generation nach 1945 bezeichnet? Was hat man mit dieser Bezeichnung zu tun versucht? Hat seine Generation sich gegen diese Bezeichnung gewehrt?
Mit Trümmer sind nicht nur die in Schutt und Asche liegenden Städte gemeint, sondern auch die zerstörten Ideale und Utopien, die Wirklichkeit des Krieges und die Erfahrungen zwischen Tod und Überleben innerhalb der Trümmer.
H. Böll „ Bekenntnis zurTrümmerliteratur“. „Blindekuh-Schriftsteller“
H. Böll: „Die ersten schriftstellerischen Versuche unserer Generation nach 1945 hat man als Trümmerliteratur bezeichnet, man hat sie damit abzutun versucht. Wir haben uns gegen diese Bezeichnung nicht gewehrt, weil sie zu Recht bestand: tatsächlich, die Menschen von denen wir schrieben, lebten in Trümmern, sie kamen aus dem Kriege, Männer und Frauen in gleichen Maße verletzt.“
Welche Generationen treten in der Literaturszene der unmittelbaren Nachkriegszeit Deutschlands auf? Die deutsche Literatur der unmittelbaren Nachkriegszeit ist geprägt durch drei Autorengruppen: die » junge Generation«, die Vertreter der inneren Emigration und die Exil-Heimkehrer.
Was bezeichnete der Begriff „junge Generation“? Welche Stimmung herrschte bei der „junge Generation“ vor? Nennen Sie die bekanntesten AutorInnen. Wo suchten Sie sich Vorbilder?
die „junge Generation“: zwischen 1905 und 1915 geboren → eine „Tabula rasa“-Stimmung ( Alfred Andersch)
Abgrenzung wie der Identitätsstiftung
Ilse Aichinger, Heinrich Böll, Wolfgang Borchert, Wolfdietrich Schnurre
  • eine „Tabula rasa“-Stimmung (Alfred Andersch)
  • ein Gefühl des Aufbruchs
  • eine „enttäuschte, verratene Generation“
  • zwischen 1905 und 1915 Geborene: Walter Mannzen und Walter Kolbenhoff, Alfred Andersch, Hans Werner Richter
  • Identitätsstiftung: eine politisch-sozial bestimmte Gruppenidentität
  • Abgrenzung: die Distanz zum Denken und Handeln der Vätergeneration
Vorbilder waren die Autoren von Frankreich. ( oder Kafka )
Welche Autoren dominierten vor allem in der literarischen Szene im Nachkriegdeutschland? Die Trümmerliteratur setzte sich vor allem aus jungen Autoren zusammen, welche die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erlebt hatten, an der Front und in Kriegsgefangenenlagern gewesen waren. Heinrich Böll, Günter Grass, Borchet 
In welchem Zeichen stand die Konstituierung der deutschen Literatur in unmittlebarer Nachkriegszeit? Welche Tendenzen angesichts der kulturpolitischen Entwicklung und der Konstituierung der deutschen Literatur wurden auf dem I. Berliner Schriftstellerkongress 1947 erkennbar? Die Konstituierung der deutschen Nachkriegsliteratur (1945–1949)
  • kein historischer „Nullpunkt“
  • keine „Stunde Null“
  • kein wirkliches Vakuum
In der literarischen Szene
  • dominierten Autoren, die an ästhetische Traditionen der Zeit vor 1933 anknüpften, → Autoren der Innerlichkeit: z.B.: Werner Bergengruen, Marie Luise Kaschnitz, Elisabeth Langgässer, Hans Carossa, Gertrud Le Fort;
  • die mittlere Generation: Günter Eich, Peter Huchel u.a. → Beginn des Publizierens in den 30er Jahren
  • die „junge Generation“: zwischen 1905 und 1915 geboren → eine „Tabula rasa“-Stimmung (Alfred Andersch)

Nennen Sie einige SchriftstellerInnen, die in die spätere DDR gegangen waren. Brecht , Eisler
Wann und durch wen wurde die Gruppe 47 gegründet? Was hatte diese Gruppe sich zur Aufgabe gesetzt? Im Juli 1947 durch Hans Werner Richter. Vorzulesen und Kritisieren der Manuskripten
Was hatte Hans Werner Richter kritisiert? KRITIK von Hans Werner Richter
  • „das Überzeitliche“
  • „die ewigen Gesetze des Schönen“
  • die Umgehung der Gegenwart
  • der zeitlose Trost
„Er verlor mehr , sehr viel mehr. In ihm zerbrach eine Welt . Seine inneren unsichtbaren Trümmer sind adäquat den sichtbaren äußeren Trümmern. Unter ihnen liegt auch das Bildungsideal des 19. Jahrnunderts, das erst kürzlich geistig zu Ende ging .“ (Hans Werner Richter)
Lehnte er die Gestaltung des ‚Überzeitlichen‘ völlig ab? Nein
Was hieß „KAHLSCHLAG“? Betrachten Sie mehrere Aspekte . Absetzen von einer progandistisch im Nationalsozialismus missbrauchten Sprache ; suche nach einem neuen, unpathetisch-klaren Stil
Das Reale ohne schöne Lügen, ohne Verbrämungen erfassen, in die man kein Misstrauen hat, das ja „ein allgemeines Misstrauen in die Menschheit“ hervorruft
Eindeutige und verstöndliche Sprache
Als eine thematisch ähnliche Nebenströmung existierte die Kahlschlagliteratur. Die vor allem von Wolfgang Weyrauch im Nachwort seiner Kurzgeschichtenanthologie Tausend Gramm skizzierte Strömung betont noch einmal den magischen Realismus. Die Literatur sollte als Kahlschlag im Dickicht der Zeit fungieren, also bei der Bewältigung des Vergangenen und beim Neuaufbau der Zukunft behilflich sein.
Was war die wichtigste Prosaform der Nachkriegszeit? Warum übernahm die junge Generation gerade diese Form für die erzählerische Verarbeitung ihrer Erfahrungen? An wem hatten sie sich ein Vorbild genommen und warum?
Kurzgeschichte. Sie wurde von vielen Autoren, besonders von Borchert und Schnurre, genutzt. Als Vorbild hatten sie die amerikanische short story sowie die Autoren William Faulkner , Ernest Hemingway und Edgar Allan Poe. Sie hatten eine ähnliche Erfahrungshintergrund, „ lost generation“ Zu den bekanntesten Kurzgeschichten Borcherts gehören: Die Küchenuhr, An diesem Dienstag und Die Kirschen.
Amerikanische Short Story. „Es war so unglaublich schwer, kurz nach 1945 auch nur eine halbe Seite Prosa zu schreiben“ (H. Böll)
Was ist Heinrich Böll zufolge eine KURZGESCHICHTE? Was gehört Heinrich Böll zufolge („Bekenntnis zur Trümmerliteratur“, 1952) „zum Handwerkzeug des Schriftstellers“? Und wofür braucht man das? Nach Böll ereigne sich eine Kurzgeschichte dort , wo Augenblick und Unmittelbarkeit/Ewigkeit zusammenstossen. Ein gutes Auge gehört zum Handwerkszeug des Schriftstellers, ein Auge, gut genug, ihn auch Dinge sehen zu lassen , die in seinem optischen Bereich noch nicht aufgetaucht sind.
Die Trümmerlyrik
die restaurativen Züge
→ Überzeitlichkeit der Aussage wie der Form,
→ Zeit- und Weltferne
→ Zunahme religiöser Züge und christlicher Motive
→ Versenkung in die vermeintliche Über- und Außerweltlichkeit der Poesie
z.B. Friedrich Georg Jünger, Hans Egon Holthusen, Ina Seidel
einlösung eines poetischen Neuanfangs. z.B. W. Schnurre, G. Eich
Peter Huch (3. April 1903 bis 30. April 1981): deutsche Lyriker, Hörspielautor und Redaktur
Nelly Sachs (eigentlich Leonie Sachs; 10. Dezember 1891 bis 12. Mai 1970): jüdische-deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin; Nobelpreis 1966
Paul Celan („Die Todesfuge“) 23. November 1920 - 20. April 1970 ;einer der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts, durch sein Gedicht Todesfuge erlangte er Weltruhm
Konnte von einem anspruchsvollen deutschen Gegenwartsdrama im Ernst die Rede sein? Und wenn ja, welche Ausnahmen gab es? (3X: Namen + Titel )
Fritz Erpenbeck (1807–1875): „Im Anfang war das Chaos.“
Bertolt Brecht (1989–1956): „ruinentheater“
Hang zur Naturlyrik und zum Geschichtsmythologen, einzelne Motive
Manfred Hausmann (1989–1969): Worpsweder Hirtenspiel, 1949 Brecht „Ruinentheater“
Bernt von Heiseler (1907–1969: Philoktet, 1947 Wilder „Unsere kleine Stadt
Horst Lange: Der Traum von Wassilikowa, 1946 Hausmann „Worsweder Hinterspiel“
Frank Thieß:Tödlicher Karneval , 1948
Welche Theaterstücke haben in den 40er Jahren die Theaterszene angeregt? Wolfgang Borchert: Draussen vor der Tür (1946) , Carl Zuckmayer: Des Teufels General (1942), Günther Weisenborn: Die Illegalen (1946)
Welche Kleinform wurde auf dem Theater gefördert? die kabarettistische Kleinkunst
Bertold Brecht ( 1898 −1956): das aristotelische Theater ↔ das epische Theater
Das aristotelische Theater
Das epische Theater
Die Bühne“verkörpert“ einen Vorgang
sie erzählt ihn
verwickelt den Zuschauer in eine Aktion und
macht ihn zum Betrachter aber
verbraucht seine Aktivität
weckt seine Aktivität
ermöglicht ihm Gefühle
erzwingt von ihm Entscheidungen
vermittelt ihm Erlebnisse
vermittelt ihm Kenntnisse
der Zuschauer wird in eine Handlung hineinversetzt
er wird ihr gegenübergesetzt
es wird mit Suggestion gearbeitet
es wird mit Argumenten gearbeitet
die Empfindungen werden konserviert
bis zu Erkenntnissen getrieben
der Mensch wird als bekannt vorausgesetzt
der Mensch ist Gegenstand der Untersuchung
der unveränderliche Mensch
der veränderliche und verändernde Mensch
Spannung auf den Ausgang
Spannung auf den Gang
eine Szene für die andere
jede Szene für sich
eine Geschehnisse verlaufen linear
in Kurven
natura non facit saltus
facit saltus
die Welt, wie sie ist
die Welt, wie sie wird
was der Mensch soll
was der Mensch muss
seine Triebe
seine Beweggründe
das Denken bestimmt das Sein
das gesellschaftliche Sein bestimmt das Denken
Warum brauchte Brecht eine neue Theaterform? Brecht wollte ein analytischen Theater, das den Zuschauer zum distanzierten Nachdenken und Hinterfragen anregt.
der V- Effekt / Verfremdungdeffekt: Ist ein literarisches Stilmittel und Hauptbestandteil des Epischen Theaters nach B. Brecht. Eine Handlung wird durch Kommentare oder Lieder so unterbrochen, dass beim Zuschauer jegliche Illusionen zerstört werden. So kann er der Theorie zufolge eine kritische Distanz zum Dargestellten einnehmen
50er JAHRE : Welche österreichische Schriftstellerin galt seit den 50er Jahren als bedeutendste Vertreterin einer poetischen Moderne ? Friederike Mayröcker
Aus welchen Gründen mag das Hörspiel in den 50er Jahren eine Art Renaissance erlebt haben? Nennen Sie die wichtigsten HörspielautorInnen. Alfred Andersch, Ernst Schnabel, Axel Eggebrecht, Günter Eich
Nennen Sie drei Gründe, warum das HÖRSPIEL nach dem Krieg so groß rauskommen konnte? Diese Tatsache war vor allem den äußeren Umständen im Nachkriegsdeutschland geschuldet, in dem der Großteil der Theater und  Kinos  noch zerstört waren
Warum wurde Uwe Johnsons Roman „Mutmaßungen über Jakob“, eine Geschichte über „die deutsche Teilung“, in der DDR bis Ende der 80er Jahre kaum ernsthaft zur Kenntnis genommen?
Was charakterisiert die Literatur der 50er Jahre insgesamt? In den Romanen werden Themen wie der Krieg und der Nationalsozialismus, die Nachkriegszeit und die deutsche Gegenwart angesprochen.
Warum gibt es in den 50er Jahren ein ( west -)deutsches Drama von Rang nicht? (SIEHE z.B. Ralf Schnell: Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit 1945) Dass sich in den 50er Jahren kein repräsentatives deutsches Drama finden lässt, ist Indiz nicht nur der unbewältigen Vergangenheit, sondern auch einer nichtbegriffenen Gegenwart. Erst mit wachsender kritischer Distanz zur reaktiönären Ära, zur Wirtschaftswundergläubigkeit und den ideologischen Ausverkauf an die Westmächte, durch die Wiederaufrüstung und später die Einfüfrung der Notstandsgesetze in Deutschland entwickelt sich ein Bewusstsein und auch die Mögichkeit für die Wirkungen der Theatersprache und Bühnenrealität.
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60er JAHRE Als was betrachtet Rolf Hochhuth die „Schaubühne“? Welche Traditionen befolgt er? Rolf Hochhuth hat die „Schaubühne als moralische Anstalt“, in Schillers Tradition, wieder zum Leben erweckt.
Warum spricht man „1968“ vom Tod der Literatur? Hans Magnus Enzensberger sprach beispielsweise 1968 in „Gemeinplätze, die neueste Literatur betreffend“ vom Sterbeglöckchen für die Literatur. Worum ging es ihm (und den beiden anderen genannten Autoren) eigentlich? Die bürgerliche Literatur sei tot, verkündete Hans Magnus Enzensberger 1968 ebenso dramatisch wie apodiktisch, man könne keinesfalls so weiterschreiben wie zuvor.
  • Ein Jahr des politisch – kulturellen Umbruch in der Bundesrepublik.
  • Neue, subkulturelle Verkehrsformel

  • Es ging um neue Mitteln, die Welt in Literatur beschreiben können, neue Ausdrucksformen. Nicht um Abschaffung der Literatur, sondern um die Neubestimmung ihrer Funktion .

Ging es 1968 um die Kampfansage an die Literatur oder um eine Absage an die Literatur bzw. ihren Tod? Es ging um die Kampfansage an die Literatur
Wodurch ist der westdeutsche Schriftsteller Günter Wallraff (geb. 1942) bekannt geworden? Er ist durch seine Reportagen über diverse Großunternehmen, die Bild - Zeitung und verschiedene Institutionen bekannt geworden, für die er sich stets der Methoden des investigativen Journalismus bediente.
70er Jahre: Wann vollzieht sich der Durch- und Aufbruch des weiblichen Schreibens? Eine ganz neue Form deutschsprachiger Frauenliteratur tauchte in den 70er Jahren auf. Dabei handelte es sich zum großen Teil um Erfahrungsberichte aus dem weiblichen Alltag , die durch ihre oft experimentelle literarische Form das Problem weiblicher Produktivität selbst mitreflektierten und darauf pochten, wahrgenommen zu werden. Diese literarische Entwicklung steht im Zusammenhang mit dem Auftauchen anderer emanzipatorischer Literatur wie z. B. Gefangenen-, Homosexuellen- und Migrantenliteratur.
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80er Jahre: Siehe die DDR-Literatur + z.B.:  http://www.was-war-wann.de/1900/1980/literatur-der-80er.html Das Deutschland der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war zum einen überschattet durch die noch Jahrzehnte später nachwirkenden Ereignisse der nationalsozialistischen Diktatur, den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust, die eine Zäsur inmitten des Jahrhunderts darstellten, die einen fundamentalen Neubeginn erforderte. Zum anderen handelte es sich um eine gespaltene Nation , ein Gefälle zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik . Ebenso zweigeteilt wie das Land war auch seine Literatur; Menschen, die in der gleichen Sprache schrieben, schrieben in verschiedenen Welten, in verschiedenen Systemen und unter verschiedenen Voraussetzungen. Annäherungen zwischen der Literatur der BRD und der DDR fanden erst im Laufe der 80er Jahre statt. Nachdem der Liedermacher Wolf Biermann aus der DDR ausgebürgert worden war, folgten andere Schriftsteller ihm nach und siedelten ebenfalls in die Bundesrepublik über. Dadurch vollzog sich nicht nur eine reale Wanderung, auch eine Wanderung innerhalb der Literatur fand statt, die Literaturen der beiden Teile Deutschlands erhielten so die Möglichkeit, sich zu berühren und zu durchdringen und zu Ausgleichstendenzen zu finden. Unter den Autoren, die aus Protest gegen die Ausbürgerung Biermanns in die BRD übersiedelten, befanden sich beispielsweise die Lyrikerin Sarah Kirsch und der Dichter  Reiner Kunze.
Neben den spezifisch deutsch -deutschen Tendenzen griffen in den 1980er Jahren jedoch auch andere Einflüsse auf die Literatur über. Der Begriff der Postmoderne begann sich zu etablieren und auf das literarische Schaffen einzuwirken, dieses aber auch zu etablieren, da bezüglich der Definition kein Konsens besteht und bis zum heutigen Tage auch keine Einigung zu erkennen ist. Doch gerade diese Uneinheitlichkeit ist kennzeichnend, Brüchigkeit und Vielfältigkeit wohnen dem Postmodernen inne, das Subjekt des postmodernen Romans wird in eine problematisch gewordene Welt gestellt, mit seiner Individualität konfrontiert und innerhalb einer brüchigen Wirklichkeit zur Schicksalsfindung herausgefordert. Die Literatur der Postmoderne verweigert sich linearem und chronologischem Erzählen, statt Einheitlichkeit herrschen fragmentarische Tendenzen vor, statt Sinnstiftung erfolgt Sinnverweigerung. Auch die Selbstbezüglichkeit ist ein großes Thema innerhalb dieser literarischen Strömung, mehr und mehr wird innerhalb der Literatur über die Literatur selbst reflektiert, der Autor tritt hinter seinem Text zurück und lässt diesen für sich sprechen, das Motiv der Bibliothek im Allgemeinen oder des Buches an sich wird zum dominierenden Motiv; einreihen in diese Traditionsreihe ließe sich im internationalen Kontext Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose ", in der deutschen Literatur greift Michael Endes Fantasy- und Jugendroman "Die unendliche Geschichte" den Topos auf.
Einer der erfolgreichsten deutschen Romane der 80er Jahre war Patrick Süskinds "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders", der das seltsame Leben des Außenseiters Grenouille erzählt, der von seinem genialen Geruchssinn getrieben zum umherziehenden Mörder wird, letztendlich aber an seinem eigenen Parfum zugrunde geht. Süskinds Roman, der zum internationalen Beststeller wurde, lässt sich der Literatur der Postmoderne zurechnen.
90er Jahre: Was bildet die 1. ( / Ab wann spricht man vom Ende der deutschen Nachkriegsliteratur?)  und was die 2. Zäsur in der deutschen Literatur der Nachkriegszeit?
Frank Schirrmacher 3.10.1990 Veröffentlichung „Abschied von der Literatur der Bundesrepublik“
Nachkriegsliteratur-Ende
  • Zäsur- die Jungen traten auf. Die Popliteratur (Moris Bassler „Der deutsche Pop-Roman. Die neue Archivisten).
  • Zäsur- Faserland C.Kracht, Marketing . Oberflächenwelt, aber positiv konnotiert. Martin Walser, Günter Grass. Im Osten : Kapitalismuserfahrungsliteratur
    Die Alten schreiben weiter.
    Auf welche Jahre werden diese datiert? 1990
    Wessen und welches Buch markiert die zweite Zäsur? Was für eine Literatur gebe es von da an in Deutschland?
    Warum ist es zum Literaturstreit um Christa Wolf gekommen? Ist dieser Streit lediglich als eine Auseinandersetzung um eine Person und ihr Schaffen aufzufassen oder ging es um etwas mehr oder um etwas anderes? Kritisierten die politische Haltung. Glaubwürdigkeit von C.Wolf. Die Erzählung zu spät veröffentlicht, der Text hätte den Überwachungsregimen geschadet. C.Wolf hätte aus Angst um ihre Privilegien geschwiegen. Auserandersetzung um einen bestimmten Typus des politische engagierten Schriftsteller (es ging nicht nur um sie).
    Zweite Phase: Bekenntnis zu ihrer Stasi -Mitarbeit.
    Symbol dieses Streits
    Es ging um die Machtverhältnisse der BRD und DDR. Einfluss und Geld für jeweiligen Kulturbetrieb. Auch ein Generationskonflikt.
    In welchen Jahren fanden diese zwei Literaturstreite statt? 1990 und 1993
    Warum veröffentlichte Wolf „Was Bleibt“ im Jahre 1989? Fertig wurde 1979. Überarbeitung nach dem Mauerfall. Hatte Angst um ihre Privilegien.
    Was kennzeichnet  die MEDIEN- UND FUN-GENERATION?
    → Sie ist groß geworden mit Satellitenfernsehen, PCs, Internet , E-Mail und Handys.
    → Es sind Kinder der Überfluss- und Globalisierungsgesellschaft, der Medien- und Informationsgesellschaft, der Party - und Fungesellschaft, die das Spielfeld betreten und eigene Regeln entwerfen.
    → Schreiben ist für sie eine Ausdrucksmöglichkeit unter anderen.
    → Chatten, SMS und Mailen sind dessen neue Grundform und ausgerichtet auf eine veränderte Art der Kommunikation.
    → Funsport hat in ihr Leben ebenso selbstverständlich Einzug gehalten wie die Hip-Hop- Kultur mit ihren Techniken Rappen, Raven und Scratchen.
    → Individualität, Flexibilität, Simultaneität und Mobilität prägen diese Jugendkultur.
    Sie definiert sich über Marken, Moden, Szenen und Stile .
    Diese neue Befindlichkeit äußert sich thematisch in einer Lust am Experiment , noch häufiger in einer Rückwendung ins Private; manche Bücher sind von einer fast autistischen Weltsicht geprägt.
    Die Beschränkung auf die eigene Biographie ist eine Art Trotz- und Abwehrreaktion auf die permanente (= dauernd, ununterbrochen, ständig) Informationsüberflutung.
    Dazu kommt, dass diese jüngste Generation wie keine zuvor von Anfang an so deutlich lernen musste, dem Erfahrungswert der Medienwirklichkeit zu misstrauen.
    Sie muss auch den Riss zwischen der virtuellen Welt und den greifbaren Fakten erkennen, Fiktion und Realität voneinander unterscheiden.
    Was markiert man mit dem Jahr 2005? Also was für eine Zeit ist beim Erzählen zu Ende? Wohin kehrt man zurück? Wessen und was für ein Buch haben wir hier als Beispiel angeführt und besprochen? Das Ende der experimentellen Zeit. Kehrt zurück zu traditionellen Gattungen und Themen.
    „Die Vermessung der Welt“ Daniel Kehlmann
    I.Schulze „Neue Leben“ (Wenderoman)
    DDR-Literatur
    In welche Phasen kann die DDR-Literatur aufgeteilt werden? Man kann DDR-Literatur in vier Phasen aufteilen: Die 1950er Jahre – Aufbauliteratur, die 1960er Jahre – Ankunfsliteratur, die 1970er Jahre – Liberalisierung und die 1980er Jahre als Untergrundliteratur
    Was kennzeichnen alle diese Phasen? + literarische Beispiele, die jeweils jeder Etappe zugerechnet werden können + die AutorInnen.
    Die 1950er Jahre: Die Aufbauliteratur befasste sich thematisch mit dem Aufbau großer Industrieanlagen. In den Erzählungen sind die Arbeiter die Helden und der Held der spezifischen Erzählung ist ein besonders qualifizierter und erfahrener (also meist etwas älterer) Arbeiter, der unter Schwierigkeiten hilft, das Werk aufzubauen, sich also durch eine besondere Leistung in der Arbeit auszeichnet. Meist treten auch Vertreter „der alten Kräfte“ auf. Das sind Saboteure, die den ökonomischen Erfolg des Sozialismus verhindern, und entlarvt werden oder in den Westen fliehen. Indem der Aufbau der Industrieanlage zuletzt erfolgreich ist und der Sozialismus „seinen Lauf “ nimmt, propagiert die Aufbauliteratur eine optimistische Perspektive. Es handelt sich um eine didaktische Literatur im Interesse des Aufbaus, die die Menschen dazu ermutigen soll, sich für die Sache des Sozialismus zu engagieren. Ein klassischer Vertreter ist hier z.B. Eduard Claudius mit seinem Werk „Menschen an unserer Seite“. Die Aufbauliteratur will und soll die Errungenschaften des Sozialismus und den Sieg über Faschismus darstellen.
    Die 1960er Jahre:
    1961–1965
    Auch in der Literatur gab es eine liberale Phase, die vom „Bitterfelder Weg“ geprägt war, der durch die Bitterfelder Konferenz von 1959 eingeleitet wurde. Dieser Bitterfelder Weg und die Tatsache, dass die DDR-Grenze vollständig geschlossen war und ein Arrangement in den Verhältnissen der DDR unerlässlich wurde (es gab keinen Ausweg mehr) bildete die Grundlage der Ankunftsliteratur, welche besonders von Brigitte Reimanns Ankunft im Alltag von 1961 geprägt wurde. Typischstes Beispiel ist „Der geteilte Himmel“ (1963) von Christa Wolf. In der Literatur sind die Hauptfiguren nun meist jüngere, intellektuelle Menschen, die sich sowohl im Beruf als auch im Privaten bewähren müssen, z. B. auch bei Christa Wolf „Der geteilte Himmel“. In diesem Werk tritt noch eine weitere Tendenz zu Tage, nämlich dass zunehmend auch weibliche Hauptfiguren auftreten.
    1965– 1971
    Bereits vor 1965 nahmen die Restriktionen in der Kulturpolitik wieder zu – der Regimekritiker Robert Havemann wurde 1963 von der Universitätsparteileitung und 1964 komplett aus der Partei und der  Humboldt -Universität ausgeschlossen, und auch die Freiheiten, welche das NÖSPL den Betrieben garantieren sollte, wurden nur zögerlich gewährt. 1965 schließlich endete auch eine Demonstration von Anhängern der Beat- Musik mit einer Massenfestnahme und entsprechenden Gerichtsverfahren. Im November des Jahres forderte nun der damalige Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates,  Erich Honecker , auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees eine „saubere Leinwand“ und wetterte gegen schädliche Tendenzen, Skeptizismus und Unmoral. Folglich wurden 12 DEFA-Filme verboten, Biermann, Stefan Heym und Havemann erneut durch Verbote gegängelt. Ebenso kam die Literatur, welche auf der Linie des Bitterfelder Wegs lag, in Verruf und praktisch zu einem Ende.
    Die 1970er Jahre: Die Ablösung des Staatsoberhauptes Walter Ulbricht  1971 durch Erich Honecker war ein bedeutender Einschnitt für die DDR-Literatur. Es wird in diesem Zusammenhang von der „Zweiten Generation“ gesprochen . Honecker beschloss ein Liberalisierungsprogramm für die gesamte Kunst und Literatur. Dies bedeutete anfangs, dass den DDR-Schriftstellern mehr Freiheit zugesprochen wurde, solange die Basis des Sozialismus gewährleistet und in den Werken vorhanden war. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Begriff der „subjektiven Authentizität“, der durch Christa Wolf (z. B. Christa Wolf „Nachdenken über Christa T.“, 1968) stark geprägt wurde. In Christa Wolfs Konzept der „subjektiven Authentizität“ steht nicht mehr so sehr der Sozialismus im Vordergrund, sondern vielmehr die Probleme des Individuums in der sozialistischen Gesellschaft.
    Das Liberalisierungsprogramm endete jedoch 1976 mit der Ausweisung Wolf Biermanns und weiteren Ausbürgerungen und Emigrationen von ca. 100 DDR-Schriftstellern, so z. B.Sarah Kirsch, Günter Kunert und Reiner Kunze, die in die Bundesrepublik übersiedelten.
    Die 1980er Jahre: Die Literatur teilte sich hier auf. Einige DDR-Schriftsteller schrieben so weiter wie bisher. Andererseits gab es jedoch auch eine subversive Tendenz, die sich als „Untergrundliteratur“ oder Bohème bezeichnen lässt. Im Ostberliner Stadtviertel dem Prenzlauer Berg bildete sich eine Szene von jungen Literaten heraus, die auf die traditionelle Methode der Publikation durch Verlage verzichtete. Sie publizierten in kleinen Auflagen und gaben viele Lesungen (teilweise mit Musik), um ihre Werke verbreiten zu können. Sie orientierten sich an poststrukturalistischen Tendenzen aus Frankreich und wollten eine Literatur schaffen, „die die Stasi nicht versteht“. Diese DDR-Autoren bedienten sich also einer bewusst irrationalen Schreibweise, um eine Opposition zur SED zu bilden und um gegen die staatlichen Restriktionen zu protestieren. Zu ihnen zählten u. a. Stefan Döring, Egmont Hesse ,Jan Faktor, Johannes Jansen , Uwe Kolbe, Andreas Koziol, Leonhard Lorek , Detlef Opitz , Frank-Wolf Matthies,  Bert Papenfuß-Gorek, Cornelia Schleime, Michael Rom,  Ulrich Zieger. Die zeitweilig als  Spiritus rectores im Zentrum dieser Szene stehenden  Sascha Anderson  und  Rainer Schedlinski wurden nach der Wende als Inoffizielle Mitarbeiter desMinisteriums für Staatssicherheit entlarvt, die ihre eigenen Kollegen ausgiebig bespitzelt hatten.
    Wessen Roman gab der sog. Ankunftsliteratur den Namen? Brigitte Reimanns „Ankunft im Alltag“ von 1961
    Welcher Stellenwert wurde in der DDR der Literatur beigemessen? Generell wurde bei der Einordnung der ostdeutschen Literatur (kultur)politischen Fragen ein sehr hoher Stellenwert beigemessen. B. Greiner vertrat aus duesem Grund bereits 1983 die Auffassung, dass die „Verquickung von Germanistik und Politik [...] die Forschung der DDR-Literatur bis heute eingeengt“ habe.
    Was ist der Bitterfelder Weg? + literarische Beispiele"Bitterfelder Weg" bezeichnet eine künstlerische, insbesondere literarische Bewegung in der DDR, die das künstlerische Laienschaffen fördern und thematisch die Probleme der Arbeitswelt aufgreifen sollte. Eingeleitet wurde der Bitterfelder Weg mit den beiden "Bitterfelder Konferenzen".
    Bräunig „Rummelplatz“
    Christa Wolf „Der geteilte Himmel“


    Wann gab es Tauwetter-Perioden in der DDR? Es gibt zwei Phase: in der auf Stalins Tod plegenden Phase: Entdogmatisierung (Der Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953) und in der Zeit nach E. Honeckers Amtsantritt als Parteivorsitzer der im Mai 1971
    die Zensur + Beispiele

    Als Zensur wird im deutschen Sprachraum die staatliche Kontrolle und Genehmigung einer geplanten Veröffentlichung verstanden. Der Autor muss das geplante Werk einer Zensurbehörde für die Freigabe zur Veröffentlichung vorlegen.
    Die Zensur in der DDR verhinderte das Erscheinen von Uwe Johnsons Debütroman "Ingrid Babendererde" oder Irmtraud Morgners " Rumba auf einen Herbst ".
    zwei Formen von literarischer Regimekritik + literarische Repräsentanten. Innerhalb des Rahmens des sozialistischen Realismus. Edward Claudius „Menschen an unserer Seite“, Erwin Stittmatter „Ole Bienkopp“
    Abweichung der Theorie des sozialistischen Realismus. Hermann Kant „Das Impressium“
    Die Ausbürgerung Wolf Biermanns (geb. 1936). Deren Folgen und Auswirkungen auf die Geschichte der DDR-Literatur, die kulturpolitische Entwicklung, ja auf den weiteren Verlauf der DDR-Geschichte insgesamt. + Das Kölner Konzert des Liedermachers Wolf Biermann müsse nach dem 17. Juni 1953 und dem 13. August 1961 als das zentrale deutschlandpolitische Ereignis der 70er Jahre gewertet werden. ( Claus Christian Malzahn) Der Liedermacher Wolf Biermann setzte sich konsequent kritisch mit der DDR auseinander und erhielt dafür auch öfters Aufführungsverbote. Zum Eklat kam es, als Biermann 1976 ein in Köln offiziell genehmigtes Konzert gab und ihm die Rückkehr in die DDR verweigert wurde. In einem offenen Brief forderten zahlreiche Schriftsteller vergebens, die Ausbürgerung Biermanns zurückzunehmen. Viele Autoren verließen in der Folgezeit die DDR und übersiedelten in den Westen, z.B. Sarah Kirsch und Günter Kunert. Andere Autoren wurden vom DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen oder traten selbst aus.
    Mehr als 70 Schriftsteller und Künstler appellierten in einem offenen Brief an die SED-Führung, Biermanns Ausbürgerung zurückzunehmen. Die SED-Führung reagierte mit Repressalien gegen die Protestierenden, es kam zu Verhaftungen, Hausarresten, Publikationsverboten und Ausschlüssen aus dem DDR-Schriftstellerverband Mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns endete die Periode der Liberalisierung. Mehr als 100 Autoren verließen in der Folgezeit die DDR und gingen in den Westen, z.B. Sarah Kirsch, Jurek Becker , Erich Loest und Günter Kunert. Ein Sonderfall war Christa Wolf, der man auf Grund ihrer großen Popularität das Wort nicht verbieten konnte. Sie blieb in der DDR und publizierte weiterhin.
    +  Warum schreibt Christa Wolf ihr Buch „Kein Ort. Nirgends“ ausgerechnet im Jahr 1977? Die Situation der Künstler in einem engen gesellschaftlichen Korsett ihrer Zeit, wie sie zwischen Kleist und der Günderrode angesprochen wird, erinnert an die Lage in der DDR und die damalige anhaltende Debatte um die Rolle des Künstlers im Sozialismus im Umfeld der Ausbürgerung Biermanns 1976
    80er Jahre: eine neue Autorengeneration: UWE KOLBE (ein deutscher Lyriker und Prosaautor; „Nicht wirklich platonisch“, „Ortvoll“, „Die Farben des Wassers“ usw), BERT PAPENFUß-GOREK (ein deutscher Lyriker), RAINER SCHEDLINSKI (ein deutscher Lyriker und Essayist. In der DDR gehörte er in dern 1980er Jahren zu den führenden Autoren der oppositionellen Literatuszene und war in dieser Zeit Informeller Mitarbeiter im Ministerium für Staatssicherheit; „Die Männer der Frauen“, „Die Rationen den Ja und des Nein“ usw), LUTZ RATHENOW (ein deutscher Lyriker und Prosaautor), STEFAN DÖRING (ein deutscher Schrifftsteller und Übersetzer), DURS GRÜNBEIN (ein deutscher Lyriker, Essayist und Übersetzer; „Die Bars von Atlantis “, „Lob des Taifuns“; „Liebesgedichte“ usw))
    Wovon handeln folgende Werke:
    Werner Bräunig: Rummelplatz: handelt von der Wismut AG und von Ost- und West-Deutschland, von deren Anfangsphasen, und endet mit dem 17. Juni 1953.
    Im Stile eines Gesellschaftsromans werden Anfang der fünfziger Jahre mehrere Personen vor allem im sächsischen Raum durch ihr wechselvolles Leben begleitet. Die Zeitspanne ist fest umrissen und reicht von der Gründung der DDR (Oktober 1949) bis zum legendären Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953. Zunächst dreht sich alles um die ominöse Wismut AG, einer sowjetisch administrierten Firma, die auf der Suche nach dem nun wertvollen Uranerz (Atombombe) nach 1945 schlagartig den Bergbau zurück ins schon früher unterhöhlte Erzgebirge brachte. Dabei wurden quasi alle möglichen männlichen Arbeitskräfte zu Bergleuten akquiriert (1950 rund 100.000 Mitarbeiter!).
    Christian Kleinschmidt, ein 18-jähriger Professorensohn aus Leipzig , der sich vor seinem Studium in der Praxis bewähren soll/will, gehört wie eine Handvoll unterschiedlicher Gesellen zu der neuen Ladung frischer Arbeitskräfte in Bermsthal, die der Leser bis zum Schluss in ihrer unterschiedlichen Entwicklung durch die realsozialistische Unter- und Obertagewelt begleitet. Ein zweiter Handlungsschwerpunkt bildet eine größere Papierfabrik, die im gleichen Erzgebirgsstädtchen angesiedelt ist und die Alltagsprobleme von Arbeitern und Angestellten in der sozialistischen Wirklichkeit abbildet. Die Verbindung der beiden Orte besteht in den Fischers, einer rudimentären Einheimischenfamilie, die aus Vater und Tochter besteht. Während Hermann, als altgedienter Steiger und Kommunist die bergbaulichen Neuaufschlüsse leitet, engagiert sich Ruth als erste weibliche Maschinenführerin der Papierherstellungswelt. Beide verkörpern die ehrlichen, ihre neue Stellungen oft hinterfragenden, Vertreter des neuen Systems, die nassforschen Parteigängern auch heftig kritisieren können. Einer von ihnen ist der Kaderleiter Nickel, ein junger Berliner mit null praktischer Erfahrung, dessen zeitweise Liaison mit Ruth am Vorabend des 17. Juni zerbricht.
    Einzelne Abschnitte mit dieser Protagonistengruppe spielen in Ostberlin, Leipzig, Chemnitz, an der (unvermeidlichen) Ostsee und das 20. und letzte Kapitel endet in Halle an der Saale .
    Im 6. Kapitel wechselt die Handlung überraschend an den Mittelrhein/Ruhrgebiet, wo eine vollkommen andere Geschichte um Irene Hollenkamp erzählt wird. Sie liebt einen jungen Journalisten, der sich mit jungen Intellektuellen heiße Philosophie- und Politikgespräche liefert. Später taucht diese Lokalität samt Familienumfeld mehrfach wieder auf. Beide Stränge verknüpfen sich über eine Familienbeziehung zu Kleinschmidts und vor allem die alten Vorbesitzer/Leiter der Bermsthaler Fabrik, zu denen Papa Hollenkamp gehört, wo generalstabsmäßig die Flucht der dort verbliebenen Fachleute in den Westen organisiert wird.
    Erwin Strittmatter: Ole Bienkopp (1963): die Bodenreform; er schaufelt sich zu Tode
    Christa Wolf: Der geteilte Himmel (1963): Die Erzählung handelt von der 19-jährigen Rita Seidel und ihrem Freund Manfred Herrfurth und spielt kurz vor dem Johannistag des Jahres 1961, also kurz vor dem Mauerbau.
    Rita und Manfred, grundverschieden – sie vom Lande , er aus der Stadt, sie schwärmerisch, er technisch-rational –, begegnen sich beim Dorftanz und werden ein Paar. Sie leben dann gemeinsam bei seinen Eltern in Halle, Manfred arbeitet als Chemiker und Rita besucht das Lehrerseminar und arbeitet als Teil ihrer Ausbildung in einer „Brigade“ des Waggonbauwerks Ammendorf.
    Manfred wächst in einer zerstrittenen Familie auf. Er verliert den Glauben an das sozialistische Wirtschaftssystem, nachdem eine seiner Entwicklungen von den Wirtschaftsfunktionären der DDR abgelehnt wird. Deshalb geht er über Berlin (Ost) in den Westen. Rita reist ihm nach und versucht, ihn zur Rückkehr zu bewegen, doch er will bleiben. Rita aber fühlt sich im Westen fremd und fährt nach Halle zurück. Kurz darauf wird die Berliner Mauer gebaut und trennt die beiden endgültig. Rita versucht sich umzubringen und wird dabei ohnmächtig. Als sie später aufwacht, befindet sie sich im Krankenhaus. Aus der Perspektive der soeben erwachten Patientin erzählt sie rückblickend ihre Geschichte mit Manfred.
    Christa Wolf: Nachdenken über Christa T. (1968) (+Was hat bei dem Buch zur Nachzensur geführt?) Die Ortschaft, in der sich die Erzählerin und Christa T. im November 1943 in der Schule kennenlernen, liegt zwei Fahrstunden von Berlin entfernt. Beyersdorf und Altensorgesind Nachbarorte. Christa T., Tochter eines Dorfschullehrers, kommt aus dem knapp 50 Kilometer entfernten Eichholz bei Friedeberg. Die jungen Mädchen in der Klasse stehen auch nach dem Attentat vom 20. Juli 1944  treu zu Adolf Hitler .
    Die Erzählerin und Christa T. verlieren sich 1945 aus den Augen, begegnen sich jedoch 1952 an der Uni Leipzig beim Pädagogikstudium wieder. Umdenken ist angesagt; neue Namen stehen auf den Broschüren: Gorki und Makarenko . Christa T. Liest Dostojewski und schreibt. Schreibend auf dem „Weg zu sich selbst“ entdeckt und behauptet sie sich; nähert sich den Dingen. Während des mehrjährigen Lehrerstudiums in Leipzig verlässt Christa T., die als wirklichkeits fremd gilt , mitunter – unruhig geworden– ihre Kommilitonen, kommt aber stets wieder zurück. Dem Wunsch der Eltern, die Stelle ihres Vaters zu übernehmen, folgt sie nicht. In den Leipziger Jahren malen sich die künftigen Pädagogen ihre Paradiese aus – gleichviel ob mit Gas oder Atomstrom beheizt, es sind ihre Refugien, es ist ihre Sache. Mit den Jahren verflüchtigen sich die Luftschlösser. Der Streit über die Ausgestaltung der Utopien geht in einstimmigen Chorgesang über.
    Am 22. Mai 1954 beendet Christa T. ihr Studium. In Leipzig hatte sie Justus, einen Veterinär, kennengelernt, den sie 1956 heiratet. Im selben Jahr wird ihr Tochter Anna geboren. Manchmal sucht Justus seine Verwandten in Westdeutschland auf. In der siebenjährigen Ehe kommen noch zwei Kinder zur Welt. Des Öfteren fahren Justus und Christa T. gemeinsam über Land. Für ihre Skizzen „Rund um den See“ lässt sich Christa T. von den Bauern Geschichten erzählen. Später beschließt das Paar, auf dem Land zu bleiben, wo Justus als Tierarzt tätig ist. Das Ehepaar baut ein Haus , einsam gelegen, auf einer kleinen Anhöhe am See. Bauen bedeutet in der DDR für Intelligenzler ohne „Beziehungen“ eine beträchtliche Kraftanstrengung. Die Ehe ist glücklich; nur einmal erlaubt sich Christa T. einen Seitensprung mit einem Jagdfreund von Justus. Der Gehörnte schafft das Problem aus der Welt, indem er seine Frau ein weiteres Mal schwängert.
    Christa T. schluckt Unmengen Prednison gegen Leukämie. Auf den Tod an Panmyelophise erkrankt, bringt Christa T. im Herbst 1962 ihr drittes Kind, ein Mädchen, zur Welt. Im darauf folgenden Februar stirbt sie.
    Ulrich Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W. (1968/1972) der Konflick zwischn individuellen Glücksanspruch und realsozialistischem Alltag
    Edgar Wibeau wurde von seinem Vater verlassen, als er fünf Jahre alt war. Nach dem Tod Edgars mit 17 Jahren befragt sein Vater Personen, die seinem Sohn nahe standen, um ihn im Nachhinein kennenzulernen.
    Edgar wächst in DDR-Zeiten bei seiner Mutter als Musterschüler und Vorzeigeknabe auf. Nach einem Streit mit seinem Lehrmeister Flemming tut er, was er schon lange tun wollte – er verschwindet mit seinem Freund Willi aus seinem Heimatort, der fiktiven Kleinstadt Mittenberg, und geht nach Berlin. Willi zieht es jedoch bald wieder nach Mittenberg zurück. Edgar bleibt allein in Berlin, wo er in einer verlassenen Laube neben einem Kindergarten unterkommt. In diesem Kindergarten arbeitet die 20-jährige Charlie , in die er sich bald verliebt. Dieter, ihr Verlobter und späterer Ehemann, und Charlie selbst geben Edgar viel zu denken. Der einzige, mit dem Edgar Kontakt hält, ist sein Jugendfreund Willi. Diesem schickt er regelmäßig Tonbänder mit Zitaten aus Goethes  Werther , die seine eigene Lage gut beschreiben. „Old Werther“ heißt auch später Edgars „Wertherpistole“, die er gerne einsetzt, wenn Situationen unangenehm werden oder er sich seiner Sache nicht mehr ganz sicher ist. Nachdem der junge Rebell an einer Kunsthochschule nicht aufgenommen worden war, sich selbst als verkanntes Genie aber nie ganz abschreibt, nimmt er eine Arbeit als Anstreicher auf. Um Addi und Zaremba, seinen Arbeitskollegen, etwas zu beweisen, versucht er, ein „nebelloses Farbspritzgerät“ zu entwickeln, von dem Addi auf der Arbeit immer wieder spricht. Beim ersten Versuch, die selbstgebaute Maschine in Betrieb zu nehmen, wird Edgar durch einen Stromschlag getötet.
    Volker Braun: Unvollendete Geschichte (1975) Die DDR. Karin, eine junge 18-jährige, gerade fertig mit der Schule soll sich von ihrem Freund Frank trennen. Der Grund: Der Mann ist aufgefallen, politisch nicht korrekt. Da ihr Vater der Ratsvorsitzende ist muss sie sich dem beugen. Doch heimlich trifft sie sich weiter mit Frank und nimmt eine Stelle in dessen Heimatstatt an, wird schließlich sogar schwanger von ihm. Die Beziehung fliegt auf, Karin sieht sich vor der Entscheidung, sich zu trennen oder ihren Job zu verlieren und gesellschaftlich geächtet zu werden. Der Druck zerbricht beide; Frank begeht einen Selbstmordversuch. Abwechselnd am Krankenhausbett und in den Zwängen der Gesellschaft der DDR durchlebt Karin die Hölle auf Erden...
    Erich Loest: Schattenboxen (1973) Gert Kohler hat zweieinhalb Jahre im Gefängnis gesessen.Als er entlassen wird,kehrt er zu seinen Eltern nach Leipzig zurück.Nun will er ein neues Leben beginen mit carla,seiner Frau,und Jörg,deren Sohn. Aber dieses Kind, das während der Haftzeit geboren und von einem anderen stammt,erinnert ihn immer wieder an die Vergangenheit. Aus Furcht, die fremde Vaterschaft könnte ruchbar werden,sucht er nach einer Arbeitsstelle möglichst weit weg von zu hause, wo ihn niemand kennt.
    Monika Maron: Flugasche (1981) Der Roman handelt von einer Journalistin namens Josefa Nadler, die eine Reportage über das gesundheitsschädigende Braunkohlekraftwerk in der Stadt Bitterfeld schreibt. Die Reportage wird aufgrund des Inhaltes nicht veröffentlicht, da die Regierung der DDR verbietet, dass die negativen Auswirkungen, die die Braunkohleverbrennung auf Bitterfeld hat, bekannt gemacht werden. Neben dem beruflichen Konflikt der Protagonistin beschreibt Monika Maron das einsame Privatleben Josefa Nadlers.
    Die Journalistin Josefa Nadler arbeitet bei der Zeitung „Illustrierte Woche“ in Ost-Berlin und bekommt von ihr den Auftrag, eine Reportage über Bitterfeld zu schreiben. Sie entscheidet sich, die Wahrheit darzustellen, und schildert die Folgen der Emissionen des Kraftwerks auf Bitterfeld. Die Reportage wird nicht gedruckt, und Josefa Nadler muss sich vor der Parteileitung der SED sowie vor vielen Kollegen rechtfertigen und ihren eigenen Standpunkt erklären. Da ihre Reportage nicht veröffentlicht wird, schreibt sie einen Beschwerdebrief an den „Hohen Rat“, der der Partei den Auftrag gibt, die Beschwerdeführerin auf ihre politische Einstellung zu überprüfen. Am Ende des Romans steht der Erfolg, dass das Braunkohlekraftwerk in Bitterfeld „unter Berücksichtigung der Bürger von B.“[1] geschlossen wird. Die berufliche Zukunft der Journalistin lässt Monika Maron letztendlich offen.
    Josefa Nadler ist 30 Jahre alt, geschieden, hat einen Sohn und ist allein erziehend. Ihr Privatleben leidet unter dem beruflichen Druck. Sie wünscht sich, in ihrem Beruf die Wahrheit schreiben zu dürfen, und sehnt sich somit nach Presse- und Meinungsfreiheit in der DDR. Andere wichtige Bereiche, mit denen sich die Autorin in ihrem Roman beschäftigt, sind die Gefühle der Journalistin wie zum Beispiel die Geborgenheit sowie die Angst und die Einstellungen der Bürger zu dem sozialistischen System.
    Der Roman „Flugasche“ ist in der Ich-Perspektive, aus der Sicht der Journalistin Josefa Nadler geschrieben. Der Leser weiß über die Gefühle und Gedanken der Protagonistin Bescheid und kann sich in sie hineinversetzen. Monika Marons Schreibstil ist nicht ungewöhnlich, sie verwendet kurze, aber auch sehr lange Sätze und viel direkte Rede. Die Gedanken der Protagonistin gehen manchmal in Träume über, sodass der Leser verwirrt ist und die Textstelle genauer nachlesen muss, um sie zu verstehen
    „B. ist die schmutzigste Stadt Europas“[3] ist der Titel der Reportage, die die Journalistin Josefa Nadler in Monika Marons Buch Flugasche über die Stadt Bitterfeld schreibt. In der Zeitung oder im Fernsehen wird Bitterfeld als ökonomisch hervorragende Stadt beschrieben, doch die ökologischen Probleme werden verschwiegen, indem über sie nicht in der Öffentlichkeit thematisiert werden. Der Schwerpunkt des Romans „Flugasche“ liegt damit auf der Umweltproblematik in der DDR. Monika Maron schreibt in ihrem Buch, dass ursprünglich in Bitterfeld ein neues Kraftwerk gebaut werden sollte, damit das alte abgerissen werden konnte. Doch die Regierung entscheidet, dass das alte Kraftwerk doch noch gebraucht wird, sodass zwar ein neues, sichereres und saubereres Kraftwerk gebaut, doch das alte weiter betrieben wird[4]. Monika Maron fordert, dass das alte Kraftwerk geschlossen wird, und kritisiert die Entscheidung der Regierung über den weiteren Betrieb. Zuerst macht diese den Bürgern Hoffnung über die Schließung des umweltschädlichen Kraftwerkes, doch letztendlich sind es nur leere Versprechungen. Wenn die Regierung höhere Produktionszahlen benötigt, sei es doch, so Maron, möglich, das alte Kraftwerk zu erneuern oder auf andere Kraftwerke umzusteigen, die Bitterfeld entlasten könnten. Es gebe also andere Möglichkeiten zur Verbesserung der Lage in Bitterfeld, und für diese setzt sich Monika Maron ein. Aber der Regierung ist die wirtschaftliche Lage ihres Landes und somit auch die Produktionssteigerungen wichtiger als das Wohlbefinden ihrer Bürger.
    Christoph Hein: Der fremde Freund (1982; die Novelle erschien in Westdeutschland 1983 unter dem Titel „Drachenblut“): Die Novelle ist eine Ich-Erzählung. Sie handelt von der alleinstehenden Ärztin Claudia , die in ihrem Leben in der DDR starke Entfremdung empfindet. Sie wirkt oftmals teilnahmslos und desinteressiert an den gesellschaftlichen Umständen. Beschrieben wird die Zeit mit ihrem Nachbarn Henry . Die Beziehung bleibt jedoch distanziert und kühl, eine „fremde Freundschaft “. Henrys ironische Gelassenheit trifft auf Claudias Ängste und Frustrationen. Das Buch dokumentiert eine tiefgreifende Selbstverleugnung. Claudia ist innerlich von Problemen zerfressen, kann dies aber weder anderen Menschen noch sich selbst gegenüber zugeben, sondern verschanzt sich hinter der Maske der Gefühllosigkeit. Claudias Entfremdung dem Leben gegenüber wird auch durch ihre Fotografieobsession symbolisiert, wobei sie ausschließlich unbelebte Motive, wie Ruinen oder Landschaften, wählt. Im 9. Kapitel, das Claudias Reise in ihre Heimatstadt G. beschreibt, werden die Gründe für Claudias Lebensprinzip der „fremden Freundschaft“ deutlich. Als Kind hatte sie ihre Freundin Katharina bedingungslos geliebt. Die Freundschaft zerbrach und Claudia konnte, aus Angst wieder verlassen zu werden, nie wieder einen Menschen so lieben . Im letzten Kapitel, in der Erzählgegenwart, bricht Claudia für einen kurzen Moment aus und gibt zu, dass sie an der Sehnsucht nach Katharina krepieren wird. Aber schon im nächsten Satz beteuert sie wieder „Es geht mir gut“.


    Erich Loest: Nikolaikirche (1995) Gezeigt wird das Schicksal einer Familie im Spannungsfeld zwischen Stasi und Friedensbewegung. Während die Hauptfigur, Architektin Astrid Protter ( Barbara Auer), die Verlogenheit des Systems erkennt und neue Wege sucht, profiliert sich ihr Bruder Alexander Bacher (Ulrich Matthes) weiterhin als Stasi-Hauptmann, versucht jedoch gleichzeitig, seine Familie vor den Nachstellungen der eigenen Behörde zu schützen. Die Auseinandersetzungen in dem zweiteiligen Film gipfeln in denMontagsdemos von 1989. Während die Staatsmacht mit äußerster Brutalität gegen die Demonstranten vorgeht, antwortet die Menschenmasse kurz darauf mit Schweigen und zieht ohne Gewalt am verbarrikadierten Stasigebäude vorbei .
    LEKTÜRE:
    Heinrich Böll (1917−1985): Bekenntnis zur Trümmerliteratur (1952)


    Wolfgang Borchert (1921–1947): Die drei dunklen Könige (1946)


    Inhalt: In den Trümmern einer durch Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs zerstörten Stadt sucht ein Mann nach Holz. Er kehrt zurück zu seiner Frau, die vor einer Stunde ein Kind geboren hat. Während die Mutter erleichtert ist, dass ihr Kind lebt, und das schlafende Neugeborene im Schein des Holzofens von einem Heiligenschein umgeben sieht, ist der Vater von tiefem Zorn über die Kälte und die elenden Umstände erfüllt, unter denen die Geburt stattfinden musste. Vergeblich sucht er nach jemandem, den er dafür verantwortlich machen und an dem er seine Wut auslassen kann.
    Drei Männer in alten Soldatenuniformen werden vom Feuerschein angelockt und treten ins Haus, um sich aufzuwärmen. Der erste Soldat hat nur noch Armstümpfe, weil ihm seine Arme erfroren sind. Er schenkt dem Vater Tabak. Der zweite Soldat hat Ödeme an den bandagierten Füßen. Er schenkt dem Kind einen Esel aus Holz, an dem er sieben Monate geschnitzt hat. Der dritte Soldat hat ein Nervenleiden und zittert ununterbrochen. Er habe im Krieg zu viel Angst gehabt, erklären seine Kameraden. Er schenkt der Mutter zwei Bonbons.
    Als sich die drei Soldaten über das Kind beugen, schreit es aus Leibeskräften. Daraufhin gehen sie wieder. Der Mann sinniert, sie wären sonderbare Heilige gewesen, doch die Frau verweist auf das Kind, das jetzt ganz lebendig sei, so schreie es. Sie erinnert daran, dass Weihnachten sei. Am Ende wird das schlafende Kind vom Feuerschein erleuchtet.
    Form: Kåre Eirek Gullvåg nannte Die drei dunklen Könige eine „wahre“ Kurzgeschichte mit einem Umfang von kaum 700 Wörtern. Auch die einzelnen Sätze sind kurz, die Sprache schlicht: Subjekt, Prädikat und einfache adverbiale Bestimmungen. Nebensätze und Adjektivewerden spärlich eingesetzt. Die Substantive stehen in den Grundformen, werden kaum einmal zu Komposita zusammengezogen. Der Stil kommt ohne Ornamente und Verzierungen aus, die Sätze werden parataktisch gereiht. Kennzeichnend für die Parataxe sind häufige Satzanschlüsse mit „da“ oder „dann“, sowie der an den Satzanfang gestellte  Artikel . Albrecht Weber sah die Sprache der Geschichte zerlegt in ihre Grundbestandteile. Strukturell sei Die drei dunklen Könige gebaut wie ein Drama in drei Akten, wobei der mittlere Akt, der Auftritt der drei Dunklen, wiederum in drei Szenen mit der Übergabe der jeweiligen Geschenke gegliedert sei. In der Mitte der Geschichte befinde sich das Geschenk für das Kind, der Esel aus Holz, der für Geduld stehe, sowohl symbolisch als auch im Prozess seiner Entstehung.[2]
    Die Figuren der Geschichte sind Typen ohne Namen und Individualität. Sie reden Alltagssprache, bleiben auf ihre Funktion reduziert und könnten Jedermann sein. Das Kind wird nur über sein stets durch Adjektive begleitetes „Gesicht“ angesprochen, seine Reaktionen bleiben beschränkt auf Schlafen und Schreien. Dagegen werden die Dinge personifiziert: das Pflaster erschrickt, die Planke seufzt, die Tür weint.[3] Nacheinander treten Mann, Frau und Kind auf, wird die Familie in die Geschichte eingeführt. Insbesondere im ersten Abschnitt bleiben die beschriebenen Handlungen isoliert, unterstreichen durch ihre Zerstückelung die Trümmerlandschaft der Stadt. Den Handlungsablauf muss sich der Leser selbst erst zusammenfügen. Immer wieder werden Gegensätze gesetzt: das Dunkel und die Kälte der nächtlichen Stadt gegen die Helligkeit und Wärme des Feuers, das Weinen der Tür gegen das Lachen des Mannes, die zerstörten Häuser gegen das Gesicht des Kindes, das „schon alles“ hat, „was dazugehört“.[4][5] Auffällig ist der häufige Gebrauch vonHilfsverben, doch „sein“ und „haben“ stehen in der Nachkriegszeit für mehr als bloß für ihre grammatische Funktion. Der hoffnungslosen Situation begegnen die Figuren mit ihrem Lebenswillen, der im Text seinen Widerklang im wiederholten „Aber“ findet
    Interpretation : Nach Albrecht Weber entwerfe bereits der erste Satz eine Situation: „Er tappte durch die dunkle Vorstadt.“ Die graue Vorstadt werde in der dunklen Nacht zum doppelten Zeichen von Tristesse und Trostlosigkeit. Ihre Zerstörung spiegele sich in den Reaktionen der Gegenstände, die seufzen und weinen. Sie fühlen den Schmerz stärker als die Menschen, die für die Zerstörung verantwortlich zeichnen. Selbst der Mond und die Sterne , auf deren Abwesenheit hingewiesen werde, symbolisieren Entbehrung. Der Mann, der in dieser Situation durch die Trümmer steige, sei verbittert. Er suche nach einem Gegner, den er für seine Not verantwortlich machen könne. „Aber er hatte keinen, dem er dafür die Fäuste ins Gesicht schlagen konnte.“ Es bleibe ihm nur, seinen Kampf auf das Überleben zu richten. Während er durch das eingesammelte Holz die Existenz sichere, warte die Frau in einer klassischen Rollenverteilung auf seine Rückkehr und behüte das Kind. Im Gegensatz zu ihrem Mann besitze sie ein feines Gespür für das entstandene Leben, erkenne schon früh dessen höheren Sinn , indem sie einen Heiligenschein um den Kopf des Neugeborenen wahrnehme.
    Das Kind werde zur Hoffnung, angedeutet durch das Licht , in dem es liege. Die „drei Dunklen“ dagegen kommen aus der Nacht. In ihrem Streben zum Licht lassen sie sich vom Vater nicht abwehren. Doch sie haben keine Entschuldigung dafür, in das Zimmer einzudringen, und schweigen. Die Geschenke, mit denen sie sich für die Gastfreundschaft bedanken, erhalten ihren besonderen Wert nicht durch ihre materielle Kostbarkeit, sondern dadurch, dass sie für die Schenkenden Opfer seien. Dabei habe der Esel, das Geschenk des Kindes, den höchsten ideellen Wert. Während seiner Entstehung seien glückliche und verzweifelte Stimmungen von Monaten verarbeitet worden. Nun werde er eingetauscht für einen kurzen Moment im Licht und die Hoffnung, die das Kind ausstrahle. Die Begegnung mit den drei Dunklen lasse die Eltern beschenkt zurück, nicht bloß materiell, sondern indem sie den ideellen Reichtum begreifen, den sie aneinander und an ihrem Kind trotz aller materiellen Not haben. Der Zorn des Mannes vergehe, und ihm werde das Heilige der Begegnung offenbar: erst nenne er die drei Dunklen „Sonderbare Heilige“, dann „Schöne Heilige“.[8] Die Frau ziehe die Verbindung zur Weihnacht. Die Kälte und die Hoffnungslosigkeit seien überwunden, die Familie habe zum Glauben und zur Geborgenheit gefunden.[9]
    Wilhelm Große sah im Heiligenschein, den die Mutter im Licht um ihr Kind erkenne, den ersten Höhe- und Umschlagpunkt der Geschichte. Hier werde erstmals das Motiv der Geburt zu Betlehem offenbar, in dem Mutter und Vater zu Maria und  Josef  werden, das Kind zum Erlöser, der eine dem Tod geweihte Welt rette. Dabei seien der Tod und die Erlösung in der Geschichte symbolisiert durch die Gegensätze von Dunkel und Hell . Ganz unköniglich und vom Krieg gezeichnet treten die Heiligen Drei Könige auf, die dem Licht gefolgt seien wie dem  Stern von Betlehem. Im Gegensatz zu ihrem dunklen und zerlumpten Äußeren, erweisen sie sich durch ihre Handlungen als Könige. Am Ende werden sie selbst vom Kind erlöst, nach dessen Schreien sie „die Füße aufhoben und zur Tür schlichen“.[8] Im Schrei des Kindes liege das Leben. Große schloss mit dem Urteil: „Die Kurzgeschichte ist eine säkularisierte, in die Nachkriegszeit verlegte, moderne Weihnachtsgeschichte.“[10]
    Auch für Kåre Eirek Gullvåg entschlüsselte sich die Struktur der Geschichte aus ihrem Ende. Mit der Erwähnung, dass die Geburt anWeihnachten stattgefunden habe, werde Licht auf den vorherigen Ablauf geworfen, die Ähnlichkeiten und Unterschiede zur biblischen Weihnachtsgeschichte treten zutage. Die Funktion des Lichts markiere die zentralen Stellen der Geschichte. Aus ihnen legte Gullvåg eine Einteilung der Handlung fest:
  • Einführung; der Mann tappe im Dunkeln.
  • Das Kind trete in Erscheinung, als zum ersten Mal Licht auf sein Gesicht falle.
  • Die Frau sehe im Licht um das Kind einen Heiligenschein, wodurch der Gegensatz zwischen Sein und Schein aufgebaut werde.
  • Das Licht falle auf die drei Dunklen. Obwohl sie aus dem Nichts kommen, haben sie Geschenke zu geben.
  • Das Licht falle ein letztes Mal auf das Kind; zuvor bloß „ warm “, ist es nun „hell“ geworden.
    Am Ende habe das Licht des Kindes die Menschen erhellt, wobei diese Erhellung innerlich zu verstehen sei. Der Mensch finde Hoffnung in der Nächstenliebe, werde zum Mitmenschen. Auch der Zorn des Vaters wolle sich nicht länger in Gewalt Bahn brechen. Der Vater habe sein Verhältnis zum Leben gewandelt.[11]
    Manfred Durzak verglich Die drei dunklen Könige mit der berühmten Vorlage The Gift of the Magi , einer Short Story von O. Henry. In beiden Geschichten werde die materielle Notsituation eines Paares vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund – bei O. Henry die Große Depression  – an einem Weihnachtsabend abgehandelt. Borcherts Geschichte sei allerdings wesentlich straffer, nüchterner und zugespitzter erzählt als jene von O. Henry. Gleichzeitig sei sie in der Vermittlung des  Ethos  zurückhaltender. Beide Geschichten richteten sich an ein unterschiedliches Publikum: O. Henry schreibe für Zeitschriften und den Konsum einer breiten Leserschaft, während für Borchert der Adressat seiner Texte nicht ein Unterhaltung Suchender sei, sondern der Mitbetroffene, der Schicksalsgenosse.[13]
    Paul Celan (1920–1970): Die Todesfuge (Ende 1944 / Anfang 1945)

    Ingeborg Bachmann  (1926–1973): Der gute Gott von Manhattan  (1958)

    Form und Handlung: Die Handlung ist auf zwei Ebenen verteilt. Auf der äußeren Ebene läuft eine Gerichtsverhandlung an einem heißen Augusttag in den 1950er-Jahren in New York City ab. Der Richter erkennt in dem Angeklagten, einem alten Mann, den guten Gott von Manhattan. Der gute Gott hat die 23-jährige Studentin Jennifer umgebracht. Die Vorgeschichte der Bluttat wird auf der inneren Ebene in Rückblenden nacherzählt. Es findet beständig Ebenenwechsel statt.
    Der gute Gott ist unzufrieden. Seine Bombe sollte eigentlich auch noch Jan, den Geliebten der Amerikanerin Jennifer, zerreißen. Aber der junge Europäer, unverletzt geblieben, wartete nicht einmal das Begräbnis der Geliebten ab, sondern nahm sein Schiff nach Cherbourg. Dabei wollte Jan doch bleiben und mit Jennifer leben und sterben. Das hatte er ihr geschworen.
    Der allwissende gute Gott tritt als der Nacherzähler[3] der oben genannten inneren Ebene auf. Er sieht sich nicht als Angeklagter, sondern als Kronzeuge und will dem Richter nun „ sagen , wie es kam“[4]:
    Dem Zug aus  Boston  entstiegen, hatte Jennifer den ortsfremden Jan auf dem  Grand Central Bahnhof angesprochen, ihm gestanden, ihr gefielen Europäer und Hilfe angeboten. Jan behauptete, er käme allein zurecht. Die beiden nehmen im Parterre eines Stundenhotels das letzte freie Zimmer. Jan fordert Jennifer auf, sie möge sich ausziehen. Das junge Liebespaar verlässt danach bald das ungastliche Haus und wechselt das Hotel . Dabei geht es immer höher hinaus. Vom Erdgeschoss des Stundenhotels aus wird ein Zimmer im 7. Stock des Atlantic Hotels - allerdings mit Blick auf den Hof - bezogen. Später geht noch höher hinaus, zunächst zum 30. Stockwerk und schließlich bis in den 57. Stock mit Meerblick. Jan will Jennifer lieben, bis er alt und hinfällig ist. Jennifer hätte nie geglaubt, dass Liebe so ohnmächtig machen kann. Kinder wollen beide zusammen haben. Jennifer möchte am liebsten die Zeit anhalten.
    Solches Glück ist für den guten Gott, für den Liebe schlimmer ist als Ketzerei[5], keinesfalls hinnehmbar. Also muss das junge Paar „in die Luft fliegen“[6]. Dieser Gott von Manhattan bringt doch tatsächlich persönlich eine Bombe - als Geschenk verpackt - vorbei. Jennifer nimmt die tödliche Ladung dankend entgegen. Jan springt dem sicheren Tod zufällig von der Schippe. Er will ewig bei Jennifer bleiben. Deshalb möchte er nur rasch seine Schiffskarte zurückgeben.
    Zwar hält der Richter die Anklage aufrecht, doch er schweigt; verurteilt den guten Gott nicht, der nur „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ gesagt hat.
    Goethe
    Das Leitmotiv heimlicher Liebe „Sag es niemand.“ stamme aus dem Gedicht „Selige Sehnsucht“ von Goethe:
    Sagt es niemand, nur den Weisen ,
    Weil die Menge gleich verhöhnet:
    Das Lebendige will ich preisen,
    Das nach Flammentod sich sehnet.
    Und so lang du das nicht hast,
    Dieses: Stirb und werde!
    Bist du nur ein trüber Gast
    Auf der dunklen Erde.
    Wie bei Goethe, so sei auch bei Bachmann die Liebe an den Tod gebunden. Bachmanns Text fehle aber die Goethesche Hoffnung - also das „Stirb und werde!“
    Der Wunsch des Liebespaares nach dem Anhalten der Zeit finde ebenfalls sein Pendant bei Goethe. Jennifers „Ich möchte jetzt alles so hinlegen und stellen, als blieb es für immer“[56] entspräche Fausts „Verweile doch! du bist so schön!“ Zudem bespöttelt der gute Gott Jans Glück im Unglück: „Er war gerettet. Die Erde hatte ihn wieder.“[57] Bei Goethe heißt es „Ist gerettet!“ und „die Erde hat mich wieder!“
    Ingeborg Bachmann: Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar (1959)
    Christa Wolf (1929–2011): Der geteilte Himmel (1963):
    Handlung: Die Erzählung handelt von der 19-jährigen Rita Seidel und ihrem Freund Manfred Herrfurth und spielt kurz vor dem Johannistag des Jahres 1961, also kurz vor dem Mauerbau.
    Rita und Manfred, grundverschieden – sie vom Lande, er aus der Stadt, sie schwärmerisch, er technisch-rational –, begegnen sich beim Dorftanz und werden ein Paar. Sie leben dann gemeinsam bei seinen Eltern in Halle, Manfred arbeitet als Chemiker und Rita besucht das Lehrerseminar und arbeitet als Teil ihrer Ausbildung in einer „Brigade“ desWaggonbauwerks Ammendorf.
    Manfred wächst in einer zerstrittenen Familie auf. Er verliert den Glauben an das sozialistische Wirtschaftssystem, nachdem eine seiner Entwicklungen von den Wirtschaftsfunktionären der DDR abgelehnt wird. Deshalb geht er über Berlin (Ost) in den Westen. Rita reist ihm nach und versucht, ihn zur Rückkehr zu bewegen, doch er will bleiben. Rita aber fühlt sich im Westen fremd und fährt nach Halle zurück. Kurz darauf wird die Berliner Mauer gebaut und trennt die beiden endgültig. Rita versucht sich umzubringen und wird dabei ohnmächtig. Als sie später aufwacht, befindet sie sich im Krankenhaus. Aus der Perspektive der soeben erwachten Patientin erzählt sie rückblickend ihre Geschichte mit Manfred.
    Stil Die ganze Erzählung findet auf zwei Ebenen statt. Die erste Ebene spielt im Krankenhaus (nach ihrem Unfall) und wird von Rita in der allwissenden Erzählerrede (auktorial) erzählt. Dort wird im Präsens beschrieben, wie ihr Leben im Krankenhaus abläuft (Gespräche mit Besuchern etc.). Diese Ebene ist folglich das Jetzt.
    In der zweiten Ebene wird die ganze Handlung beschrieben, alles das, was in der Inhaltszusammenfassung steht. Diese Ebene wird im Imperfekt, aber auch mit direkter Rede von einer dritten Person geschildert. Diese Person ist keine aus der Erzählung, sie ist einfach der Erzähler, der auch mehr Informationen hat als Rita selbst. Oft sind diese Ebenen durch Kapitel getrennt, jedoch erfolgt solch ein Wechsel auch nicht selten von einem Absatz zum anderen.
    Christa Wolfs Gebrauch der direkten Rede erinnert stark an den von Eveline Hasler (Anna Göldin). Genau wie bei ihr muss die direkte Rede nicht zwingend in Anführungszeichen stehen. Abgesehen davon ist die Erzählung aber leicht verständlich formuliert. Viel mehr als der Basiswortschatz wird nicht gebraucht; dafür setzt Wolf aber historische Kenntnisse voraus, die vor allem die DDR vor dem Mauerbau betreffen.
    Rita Anfänglich ist Rita ein junges, unerfahrenes Mädchen in einem kleinen Dorf im Osten Deutschlands. Ihre Kindheit ist sicher nicht die leichteste gewesen, sie ist ohne Vater aufgewachsen und hat die Schule wegen Geldmangel frühzeitig beenden müssen. Dennoch bekommt sie eine Arbeit im örtlichen Versicherungsbüro. Diese Arbeit jedoch gefällt ihr nicht sonderlich. Die große Wende kommt mit dem Eintreffen von Manfred und Schwarzenbach. Als sie von Schwarzenbach die Möglichkeit bekommt, ihr Leben zu ändern, zögert sie daher nicht und nimmt ihre Chance wahr. Von nun an muss sie weitgehend auf eigenen Füßen stehen, da ihre neue Umgebung, ihre neuen Bekanntschaften ihr noch fremd sind. Sie schafft es aber sehr gut, ihr Leben in der Stadt zu organisieren, vor allem durch die Hilfe ihrer Arbeitskollegen, allen voran Meternagel.
    Mit der Zeit wird sie immer reifer und trifft zunehmend selbst Entscheidungen, indem sie z. B. in die Stadt zieht. Sie ist auch eine sehr wichtige Person für Manfred. So hört sie ihm oft geduldig zu, während dieser ihr seine Sorgen erzählt. Und oft steht sie ihm auch mit gutem Rat zur Seite. So gesehen übernimmt sie in dieser Hinsicht auch die Rolle der Eltern, für welche Manfred keine sehr innigen Gefühle hegt und die er deshalb auch nie um Hilfe bitten würde. Doch umgekehrt ist es ähnlich. Manfred muss auch des Öfteren als Tröster für Rita in Erscheinung treten.
    Abschließend kann man sagen: Rita ist eine eigenständige, reife Frau geworden, die ihr Leben meistern kann und auch nach mehreren Schicksalsschlägen (Tod des Vaters, Trennung von Manfred, …) immer wieder aufsteht und weiter macht.
    Ulrich Plenzdorf (1934–2007): Die neuen Leiden des jungen W. (1968/1972)
    Edgar Wibeau wurde von seinem Vater verlassen, als er fünf Jahre alt war. Nach dem Tod Edgars mit 17 Jahren befragt sein Vater Personen, die seinem Sohn nahe standen, um ihn im Nachhinein kennenzulernen.
    Edgar wächst in DDR-Zeiten bei seiner Mutter als Musterschüler und Vorzeigeknabe auf. Nach einem Streit mit seinem Lehrmeister Flemming tut er, was er schon lange tun wollte – er verschwindet mit seinem Freund Willi aus seinem Heimatort, der fiktiven Kleinstadt Mittenberg, und geht nach Berlin. Willi zieht es jedoch bald wieder nach Mittenberg zurück. Edgar bleibt allein in Berlin, wo er in einer verlassenen Laube neben einem Kindergarten unterkommt. In diesem Kindergarten arbeitet die 20-jährige Charlie, in die er sich bald verliebt. Dieter, ihr Verlobter und späterer Ehemann, und Charlie selbst geben Edgar viel zu denken. Der einzige, mit dem Edgar Kontakt hält, ist sein Jugendfreund Willi. Diesem schickt er regelmäßig Tonbänder mit Zitaten aus Goethes Werther, die seine eigene Lage gut beschreiben. „Old Werther“ heißt auch später Edgars „Wertherpistole“, die er gerne einsetzt, wenn Situationen unangenehm werden oder er sich seiner Sache nicht mehr ganz sicher ist. Nachdem der junge Rebell an einer Kunsthochschule nicht aufgenommen worden war, sich selbst als verkanntes Genie aber nie ganz abschreibt, nimmt er eine Arbeit als Anstreicher auf. Um Addi und Zaremba, seinen Arbeitskollegen, etwas zu beweisen, versucht er, ein „nebelloses Farbspritzgerät“ zu entwickeln, von dem Addi auf der Arbeit immer wieder spricht. Beim ersten Versuch, die selbstgebaute Maschine in Betrieb zu nehmen, wird Edgar durch einen Stromschlag getötet.
    Erzählstruktur :Zu Beginn der Handlung ist die Hauptfigur, der siebzehnjährige Lehrling Edgar Wibeau, bereits tot. Die Handlung setzt kurz nach dem Erscheinen der Todesanzeigen damit ein, dass Edgars Vater die Wohnung der Mutter, die Edgar allein großgezogen hat, aufsucht. Im weiteren Verlauf versucht der Vater Details über Edgars Leben herauszufinden, um seinen Sohn im Nachhinein „kennenzulernen“. Zu diesem Zweck spricht er auch mit Willi, Charlie und Edgars Meister Addi. Die in den Gesprächen angerissenen Themen und Fragen schildert, berichtigt und kommentiert Edgar aus dem Jenseits in längeren Monologen. Seine innere Verfassung drückt Edgar mit Hilfe von Zitaten aus Goethes „Werther“ aus, die er, auf Tonband gesprochen, an Willi geschickt hatte.
    Personen
    Edgar Wibeau: ist 17 Jahre alt und geboren in Mittenberg, wo er eine Ausbildung an einer Berufsschule beginnt und später abbricht, um nach Berlin zu gehen. Nachdem er zuerst arbeitslos in Berlin ist, arbeitet er später in einer Malerbrigade.
    Aus Gesprächen seiner Mutter und seines Vaters ist zu erkennen, dass Edgars Vater die Familie früh verließ und nach Berlin ging, wo er, wie wir später erfahren, nicht als Maler, wie Edgar behauptet, sondern als Statiker arbeitet. Edgars Mutter arbeitet an der Berufsschule in Mittenberg als Leiterin eben jener Schule.
    Nachdem Edgar mit seinem besten Freund Willi aus Mittenberg nach Berlin gezogen ist, lebt er mit Willi in einer Laube, die Willis Eltern gehört, und die neben einem alten Kindergarten steht, in dem Charlie arbeitet, die zu Edgar ein ähnliches Verhältnis hat wie Charlotte zu Werther in den Goethes „Leiden des jungen Werther“.
    Edgar zu charakterisieren ist insofern schwer, als Edgar von den Personen seines Umfelds als komplett verschiedene Person beschrieben wird. Während Willi ihn als guten Maler, kreativ, „Chef in allen Fächern“ und konsequentes Genie bezeichnet, denken andere wie Addi und Charlie eher negativ über ihn, und bezeichnen ihn als „vernagelten Idioten“, „Nichtskönner“ und Angeber.
    Aus all diesen verschiedenen Aspekten kann man sehen, dass Edgar eine eher exzentrische Person ist, die der Person, die ihm gegenüber steht, genau zeigt, was er von ihr denkt . Er ist aber eher schüchtern gegenüber Charlie, was es schwer macht, einzuschätzen, wie seine Beziehung zu ihr ist, ob er sie nun wirklich liebt oder ob sie für ihn einfach nur ein Mädchen oder „ Flirt “ ist. Ihm ist es im Laufe des Buches egal, was die anderen Charaktere von ihm denken, er ist antiautoritär, und wir können annehmen, dass er nichts vom kommunistischen System hält. Andererseits finden wir keine entsprechend klare Äußerung, nur sein Verhalten lässt darauf schließen, da er nichts tut und auch in der Malerbrigade kaum arbeitet.
    Nachdem er in seinem fünften Lebensjahr von seinem Vater verlassen worden war, wird er unter der Obhut seiner Mutter zu einem absoluten Musterschüler, der sich nie an Streichen beteiligt, sogar wenn die Ideen von ihm stammen. Irgendwann reicht es ihm, und er reißt zusammen mit seinem Freund Willi nach Berlin aus. Edgar wird ein typischer Rebell, der sich nichts gefallen und sich von fremden Vorschlägen nicht beeinflussen lässt. Mit seiner Liebe zu Charlie kommt er ganz gut zurecht, wenn man bedenkt, dass er keine Chancen bei ihr hat und dies auch weiß. Edgar würde sich selbst wahrscheinlich als „Steher“ bezeichnen, der sich weder von anderen beeinflussen lässt noch mit dem Mainstream mitschwimmt, sondern sich seine eigene Meinung bilden kann. Trotz seines wahrscheinlich guten und intellektuellen Charakters ist unverkennbar, dass er eben doch noch ein wenig Kind ist und es ihm an Erfahrung fehlt.
    Charlie Schmidt : Charlie weiß nie, was sie von Edgar denken soll. Sein Wesen erschließt sich ihr von Anfang bis Ende nie vollständig. Offensichtlich mag sie Edgar als Person, seinen Lebensstil jedoch nicht. Sie ist eine „starke“ Frau, die sich nicht so schnell unterkriegen lässt, erst recht nicht von Dieter, ihrem Verlobten. Manchmal bekommt man den Eindruck , sie wolle Dieter mit Edgar betrügen, was dann aber, bis auf einen Kuss, nie passiert. Charlie ist hübsch, intelligent und freundlich, andererseits ignorant , arrogant und streitlustig und damit eine Protagonistin, die nur mit widersprüchlichen Kategorien zu beschreiben ist.
    Dieter:ist ein „Spießer“. Er ist arrogant und egozentrisch, wenn auch möglicherweise ein guter Kerl. Er lebt streng nach Regeln und Richtlinien und braucht diese auch, um sein Leben zu strukturieren. Sein „Charme“ ist beeindruckend und wird funktionalisiert, um Charlie bei ihm, dem Möchtegern-Gentleman, zu halten . Wenn Charlie nicht wäre, hätten Dieter und Edgar wahrscheinlich ganz gut miteinander auskommen können.
    Vater, Herr Wibeau ist 36 Jahre alt und wohnt mit seiner jungen Freundin in einem Penthouse in Berlin. Er verließ seine Frau und sein Kind und interessiert sich erst nach dem Tod seines Sohnes um dessen Leben.
    Else Wibeau, Leiterin, klassenbewusst und Edgars Mutter: Mutter Wibeau hat sich nie allzu sehr um ihren Sohn gekümmert, verlangte ihm immer viel ab und war vermutlich sehr gekränkt, nachdem Edgar Mittenberg verlassen hatte. Dennoch liebt sie Edgar und unterstützt ihn, so gut es geht. Nachdem er ausgerissen war, scheint es, als kümmere sie sich nicht mehr besonders um ihn. Dennoch erzwingt sie von Willi den Aufenthaltsort von Edgar in Berlin.
    Addi Berliner: Brigadeleiter einer Malerbrigade ist recht jähzornig und ein guter Mensch. Edgar beschreibt ihn als Steher, wahrscheinlich Edgars größte Auszeichnung. Auch wenn Addi öfter mit ihm streitet, verstehen sie sich ganz gut. Nach Edgars Rauswurf bekommt Addi ein schlechtes Gewissen, das er auch nach dessen Tod behält.
    Zaremba: Edgar hält viel von Zaremba, vor allem weil dieser – trotz seines Alters – noch so fit und aktiv ist. Er rückt Zaremba in die Nähe seiner Idole aufgrund der Tatsache, dass der Über-Siebzigjährige noch immer arbeitet, obwohl er längst in Rente gehen könnte. Der Anstreicher ist sehr diplomatisch und schlichtet des Öfteren Streit zwischen Addi und dem jungen Wibeau. Als überzeugter Sozialist repräsentiert Zaremba den Typus des idealen Kollektivmitglieds, das sich für den gesellschaftlichen Arbeitserfolg auch über autoritäre Umgangsweisen mit den anderen Kollektivmitgliedern, einschließlich des Außenseiters Wibeau, hinwegsetzt.War im spanischen Bürgerkrieg, hadert mit der Gewerkschaft und der Partei.
    Willi: Willi ist Edgars alter Jugendfreund und die einzige Person, mit der er Kontakt hält. Der „Verrat“ an Edgars Mutter ist leicht verständlich und nachvollziehbar. Man erfährt nicht sehr viel von Willi, außer, dass Edgar sich Willi mit Zitaten aus Goethes Werther per Tonband anvertraut.


    Günter Grass (geb. 1927): Mein Jahrhundert (1999)
    → Kapitel „1900“, „1927“,  „1937“, „1959“, „1968“, „1999“.
    Peter Stamm (geb. 1963): Das schönste Mädchen (1999)
    Michael Lentz (geb. 1964): Muttersterben (2001)

    Daniel Kehlmann (geb. 1957): Die Vermessung der Welt (2005):


    Der Roman beginnt 1828 mit einer Reise Gauß', des „Fürsten der Mathematik“, von Göttingen nach Berlin zur historisch verbürgten 17. Tagung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, wohin ihn Humboldt eingeladen hat. Von dieser Reise an stehen die beiden Wissenschaftler in Korrespondenz miteinander und tauschen sich über ihre Projekte aus.
    In diese Rahmenhandlung eingebunden sind die kapitelweise abwechselnd chronologisch erzählten Lebensläufe von Gauß und Humboldt, beginnend mit ihrer Kindheit, sich ausbreitend über ihre vielfältigen Entdeckungen und endend mit ihrem reifen, durch die Einsicht in ihre schwindenden Kräfte getrübten Alter. Beide waren zeitweilig auch alsLandvermesser tätig, was dem Romantitel eine zunächst ganz praktische Bedeutung gibt. Die beiden Hauptfiguren Gauß und Humboldt haben jeweils eine Ergänzungsfigur neben sich, Gauß seinen Sohn Eugen und Humboldt den Assistenten Aimé Bonpland, die wie die von den Landvermessern verwendeten Spiegel die déformation professionnelle der beiden Hauptfiguren sichtbar machen.
    Gauß wird auf seiner Reise nach Berlin von seinem ungeliebten Sohn Eugen begleitet, der die Zumutungen dieser Reise nach Berlin noch dadurch steigert, dass er als naiver Provinzler in einen Kreis von nationalbewegten Studenten gerät und mit ihnen zusammen aufgrund der Karlsbader Beschlüsse von 1819 verhaftet und misshandelt wird. Während Humboldt seinen Einfluss nutzen will, um Eugen zu befreien, ist Gauß das Schicksal seines Sohnes nicht nur gleichgültig, sondern er düpiert sogar den verschämt bestechungswilligen preußischen Polizeioffizier, so dass die Befreiung scheitert.
    Humboldt kann später dennoch etwas für Eugen tun, der von der politischen Polizei Preußens schließlich ins Exil nach Amerika geschickt wird und damit auch der väterlichen Feindschaft entgeht. Indem Gauß' Sohn seine Reise auf den Spuren von Humboldts erster amerikanischer Expedition beginnt, verbindet er die Biografien der beiden spröden alten Männer, deren Leben und deren isolierte Einzelwissenschaftler-Methode nicht mehr als vorbildlich erscheinen.
    Erzählweise: Der Erzählrhythmus wird durch die schnelle Folge der mathematischen und geografischen Entdeckungen bestimmt. Eine Biografie rekonstruiert Daten, Taten, Aufenthalte – dieser Roman dagegen verzichtet darauf fast vollständig, erzählt aber dennoch sehr übersichtlich und zielstrebig: Sechzehn zwischen acht und vierzig Seiten lange Kapitel tragen treffende Titel (Die ReiseDas Meer , usw.), die den Gestus der Transparenz wissenschaftlicher Abhandlungen imitieren.
    Der lakonische Stil kurzer Sätze ist die Basis für an das Deutsch des 19. Jahrhunderts erinnernde Wendungen und die überwiegend in indirekter Rede geschriebenen Dialoge, welche mehr als nur eine historische Distanz des Autors zu seinen Figuren signalisieren.
    Im Mikrobereich der Abschnittswechsel sorgen z. B. elliptische Überblendungen für Dynamik: „Er [Humboldt] müsse Gauß unbedingt sagen, dass er jetzt besser verstehe.“ Und ohne dass Gauß über diesen Gedanken per Post informiert sein könnte, setzt dieser 1800 Kilometer weiter westlich im direkt folgenden Absatz fort: „Ich weiß, daß Sie verstehen.“
    In dieser fiktiven Doppelbiografie haben die Lebensläufe der beiden Hauptfiguren keine weiteren Berührungspunkte als die nur gelegentlichen Bezugnahmen des fast lebenslänglich daheim bleibenden Gauß auf Nachrichten von Humboldts Amerikareise lange vor ihrer Bekanntschaft und den späteren Kontakt in der Rahmenhandlung. Ihre nur punktuellen Interaktionen lassen sie mehr zu Repräsentanten von Einstellungen als zu Trägern einer gemeinsamen Handlung werden. Das Gemeinsame ist ihre auf meist unterschiedlichen Gebieten sich entwickelnde frühe wissenschaftliche Kompetenz, die aber der Lesbarkeit wegen immer nur romanhaft angedeutet wird.
    Gemeinsam ist ihnen vor allem die Behandlung ihres Lebens durch den Erzähler: Der spricht als auktorialer Erzähler von einem Standpunkt dicht neben seinen beiden Hauptfiguren, von denen er Gauß mehr von innen und Humboldt mehr von außen beschreibt. Der Erzähler kennt die Gefühle seiner Hauptfiguren zwar, aber was er von ihnen mitteilt, ist meist nur auf ihre wissenschaftlichen Projekte reduziert. Die Figuren bleiben daher ohne Tiefe: Humboldt und Gauß, der immerhin anfangs noch schwört, seine sibirische Prostituierte zu heiraten, scheinen sich auf ein Leben ausschließlich für die Wissenschaft zu reduzieren. Gauß zum Beispiel springt schon in der Hochzeitsnacht eines mathematischen Einfalls wegen aus dem Bett und vergisst später den Geburtstermin seines ersten Sohnes; für den Kontinentdurchquerer Humboldt bleiben Frauen ein Leben lang  terra incognita. In einem Dialog mit seinem Bruder wird jedoch schließlich auch auf die vermutete Homosexualität Humboldts hingewiesen.
    Der Erzählton ist durchwegs ironisch. Die vielseitigen Einseitigkeiten der Hauptfiguren werden mit Humor vorgeführt und viele anekdotenhafte Ereignisse aus ihren Leben komisch überformt. Gauß erscheint schon auf den ersten Seiten wie ein großes Kind und als Humboldt mit seinem Bruder Wilhelm (dessen Vorname im gesamten Buch nicht genannt wird) am Totenbett seiner Schwägerin sitzt, vergessen beide, „geradezusitzen und klassische Dinge zu sagen.“ Der junge Eugen Gauß hat einige Schwierigkeiten, sich abends in dem für ihn unüberschaubaren Berlin zu orientieren: „Immer neue Straßen, immer noch eine Kreuzung, und auch der Vorrat an umhergehenden Leuten schien unerschöpflich.“ Die dann folgende Verhaftungsszene der revolutionär-naiv-weinerlichen Studenten steigert noch einmal die durch den Erzählton vermittelte Distanz zu den Figuren.
    Unschwer zu erkennen sind auch die Parallelen zu Narziß und Goldmund von Hermann Hesse: Zwei Charaktere, die vieles gemeinsam haben, doch grundverschiedene Wege wählen. In beiden Werken entscheidet sich eine der beiden Hauptpersonen (Humboldt bzw. Goldmund), zu reisen, um die Welt kennenzulernen, während die andere (Gauß und Narziß) ausschließlich durch das Denken ihren Erfolg erzielen will. Besonders deutlich wird die Ähnlichkeit durch Humboldts letzte Reise nach Russland, wo er die Reise nicht „genießen“ kann und schlussendlich erkrankt.
    Beutung: Diese ironische Entzauberung deutscher Intelligenzgeschichte ist eine der immanenten Deutungsmöglichkeiten. Gauß scheitert grandios an seiner Menschenrolle, der ältere Bruder Humboldts wehrt sich haarspalterisch gegen die Vorstellung, die Erfolge der Humboldtbrüder seien auf ihre banale Rivalität zurückzuführen: „Weil es Dich gab, mußte ich Lehrer eines Staates, weil ich existierte, hattest Du der Erforscher eines Weltteils zu werden, alles andere wäre nicht angemessen gewesen.“ (Großschreibung im Original.)
    Eine weitere Bedeutung erschließt sich aus der Antwort auf die Frage nach den Auswirkungen der Wissenschaft auf die sie tragende Gesellschaft. Gauß' politisch reaktionäre Einstellung ist auch im Roman deutlich – er wird eine Verbesserung der Lage der Untertanen seines Herrn nicht einmal gewünscht haben. Anders der Franzosenfreund Humboldt, der im Roman Zweifel äußert, ob seine amerikanische Flussreise „Wohlfahrt für den Kontinent gebracht“ habe und damit z. B. auch anknüpft an  Diogenes von Sinope, der schon im 4. Jahrhundert vor Christus gefragt haben soll, ob alle Entdeckungen und Erfindungen etwas an der Mühsal der Mehrheit geändert hätten.
    Einen dritten Aspekt offenbart das Kapitel, das die Russlandexpedition Humboldts von 1829 schildert. Im Roman ist der alte und hier schon trottelige Forscher während der Reise von Lakaien umzingelt, die im Auftrage des Zaren und des preußischen Königs verhindern, dass Humboldt mehr zu sehen bekommt, als er sehen soll. Der Forscher wird unfreiwillig zu einem embedded scientist  und die von ihm bereiste Welt zu seinem „potemkinschen Dorf“. Was kann ein Wissenschaftler wirklich jenseits der Hauptstraßen der Macht erkennen? Hat somit Humboldt oder Gauß mehr gesehen von der Welt? Humboldt jedenfalls ist sich da am Ende nicht mehr sicher, er hätte „auf einmal nicht mehr sagen können, wer von ihnen weit herumgekommen war und wer immer zu Hause geblieben.“ Die Vermessung der Welt darf daher auch als ihre Ver-Messung gelesen werden.
    Die Frage der Authentizität  Um das Buch entzündeten sich schon bald nach Erscheinen Debatten um inhaltliche Unstimmigkeiten. Im Romantext finden sich zahlreiche Abweichungen von der historischen Realität, die jedoch überwiegend von Kehlmann so beabsichtigt gewesen seien. Er habe sich dabei an der Tatsache orientiert, dass verschiedene deutsche Klassiker in biographischen Dramen sehr frei mit der historischen Wahrheit umgingen (etwa  Schiller  in Die Jungfrau von Orléans, Goethe in Egmont oder Kleist in Prinz Friedrich von Homburg). Aus diesem Grund habe er in der Vermessung der Welt die Daguerreotype in die Handlung eingebaut, als sie noch überhaupt nicht existierte (1828). Weiterhin wird im Text Goethe noch mit seinem bürgerlichen Namen bezeichnet, obwohl er bereits geadelt war (in der damaligen Zeit ein unmöglicher Faux-pas) oder die von Gauß entdeckte Osterformel zur Berechnung des Osterfestes wird im Roman fälschlicherweise schon in dessen Jugendzeit gelegt und unter falschem Namen veröffentlicht. Dieses Phänomen hat in der Literaturkritik bereits einen eigenen Namen erhalten: Brombacher-Effekt, nach der erfundenen absurden Begegnung Humboldts mit einem Deutschen im südamerikanischen Urwald, mit dem er aber nichts weiter zu tun haben will, denn Deutsche treffe man ohnehin daheim in Mengen. Dass diese Erfindungen von Kehlmann nicht kenntlich gemacht werden, hat bereits dazu geführt, dass erfundene Zitate Kehlmanns als originäre Humboldt-Äußerungen verwendet wurden.
  • Vasakule Paremale
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    Theodor Storm-Immensee
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    Theodor Storm "Immensee"

    Essay Theodor Storm ,,Immensee" Für mein Essay habe ich Theodor Storms Novelle ,,Immensee" ausgewählt. Das aus drei Gründen: erstens hatten wir das im Seminar ziemlich am Ende des Kurses behandelt und ich kann mich daran noch gut erinnern. Zweitens liegt Theodor Storm mir irgendwie nah am Herzen, weil ich sein Geburtshaus in Husum erst vor einem Jahr besucht habe. Leider wusste ich damals nicht viel von ihm, aber um so spannender war für mich der Vorttrag über Theodor Storm. Drittens: einige Texte sind sehr schwierig zu verstehen gewesen, die wir lesen mussten, oder ich habe den Sinn nicht so gut erkennen können, diese Novelle war sowohl wörtlich als auch innerlich ziemlich leicht für mich zu verstehen. Kurz gesagt ist diese Novelle eine Erinnerung an einer unerfüllter Liebe. Die Novelle ist kein romantischer Text. Sie ist eine Rahmenerzählung, die in zehn Abschnitte geteilt ist. Sie heissen: 1

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    Til Eulenspiegel Einige der lustigen Geshichten über Till Eulenspiegel, der bekannte Spamacher, der um 1300 n.Ch. im Braunschweigichen Herzogtum Lauenburg geboren sein und dort gelebt haben soll. Im Städtchen Mölln, das inmitten lieblicher Seen und Buchenwaldungen liegt, kann der Besucher noch heute den Grabstein Till Eulenspiegels und dazu den verrosteten Degen, sowie einen Streifen Bandeisen, der wie ein Brillenreif gebogen ist, sehen. Dieser Degen und die Brille sollen dem Narren des deutschen Volkes gehört haben. Der Grabstein ist die einzige schriftliche Urkunde, die beglaubigt, dass Till Eulenspiegel wirklich gelebt hat und im Jahre 1350 im Mölln gestorben ist, Auf diesem Grabstein steht geschrieben: Diesen stein soll niemand erhaben Hie stat Ulenspiegels begraben. Anno Domini MCCCL jahr. Einer der Verfasser v

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    Latein im Film Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viel Latein heutzutage im Fernsehen verwendet wird? Ich möchte es Ihnen anhand dreier Beispiele demonstrieren. Als erstes Beispiel habe ich den Horrorfilm "The Black Cat" von 1934 gewählt, in den Hauptrollen Boris Karloff und Bela Lugosi. Zuerst möchte ich die Handlung des Films erzählen: Die jung verheirateten Joan und Peter Alison fahren in die Flitterwochen. In ihrem Abteil im Zug treffen sie Dr. Vitus Werdegast, dessen Akzent darauf hindeutet, daß er Ungar ist. Werdegast sagt, er sei auf dem Weg zu einem alten Freund. Bei der nächsten Haltestelle steigen sie in einen Autobus um und ein seltsamer Fremder, Thamal, der nie ein Wort sagt, gesellt sich zu ihnen. Der Busfahrer erzählt die Geschichte von Fort Marmaros: Die Hügel neben der Straße waren das größte Schlachtfeld der 1. Weltkrieges, zehntausende Soldaten starben hier. Auf dem großen Hügel, auf dem jetzt das modern

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    Roger Federer Roger Federer [rdr] (* 8. August 1981 in Basel) ist ein Schweizer Tennisspieler. In seiner bisherigen Karriere gewann Federer die Rekordanzahl von 17 Grand-Slam- Turnieren im Einzel und beendete die Jahre 2004, 2005, 2006, 2007 und 2009 an der Spitze der Tennis-Weltrangliste. Insgesamt gewann Federer bisher 78 Titel im Einzel und acht im Doppel. Federer ist der einzige Spieler, der dreimal in seiner Karriere drei Grand-Slam-Titel in einer Saison gewann. Dies gelang ihm 2004, 2006 und 2007. Zudem ist der Schweizer einer von sieben Spielern, die im Laufe ihrer Karriere alle vier Grand-Slam-Turniere mindestens einmal gewannen und neben William Renshaw und Pete Sampras mit sieben Titeln Rekordsieger des Tennisturniers von Wimbledon. Federer wurde in den Jahren 2005, 2006, 2007 und 2008 zum Weltsportler des Jahres gewählt. Bereits zu aktiven Zeiten wird Federer von Tennisexperten zu den besten Spielern in der Geschichte dieses Sports gez?

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    Referaat Hamburg Ich habe die Stadt Hamburg ausgewählt, weil ich mehr über diese zweitgröten Stadt Deutschlands wissen möchte. Auch desshalb, weil ich Hamburg viele Jahre zurück besucht habe. Auch will ich mehr über die lange Geschichte Hamburgs wissen. Die Freie und Hansestadt Hamburg ist als Stadtstaat ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland, zweitgrößte Stadt Deutschlands, siebtgrößte der Europäischen Union sowie die größte Stadt in der Europäischen Union, die nicht die Hauptstadt eines Mitgliedsstaates ist. Die Landessflagge Das Landeswappen Hamburg in Deutschland Der Wahlspruch Hamburgs lautet: Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas (Die Freiheit, die erwarben die Alten, möge die Nachwelt würdig erhalten) und findet sich als Inschrift über dem Portal des Rathauses. Die Fläche Hamburg beträgt 755,264 km² und die Einwohnerzahl Hamburg ist 1.770.291 Menschen. Die ält

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    Zwiebelfisch: Ziehen Sie die Brille aus! Von Bastian Sick Man kann Klamotten anziehen und Schuhe. Man kann auch Pech anziehen oder Glück. Und dann gibt es da noch dieses sonderbare Phänomen, dass Menschen Brillen anziehen, Uhren anziehen und sogar Taschen anziehen. Und das alles ohne Magnetismus! Es war mal wieder typisches hamburgisches Wetter: Strahlend blauer Himmel und gleißender Sonnenschein. An solchen Tagen wimmelt es am Hafen nur so von Touristen: Franzosen und Spanier, Schweizer und Dänen, Schwaben und Franken, sogar Bayern und USAmerikaner. Man hört die unterschiedlichsten Sprachen und Dialekte. Bei den Landungsbrücken sprach mich eine junge Frau an und fragte, ob ich wohl ein Foto von ihr und ihrem Freund machen könne. "Selbstverständlich", erwiderte ich, "es wird mir ein Vergnügen sein!" Sie reichte mir die Kamera und stellte sich zu ihrem Freund. Das erste Foto erschien mir recht gelungen, aber ich wusste, dass es noch besser geht: "Könnten Sie vielleicht

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