Es war mal wieder typisches hamburgisches Wetter: Strahlend blauer Himmel und gleißender Sonnenschein. An solchen Tagen wimmelt es am Hafen nur so von Touristen: Franzosen und Spanier, Schweizer und Dänen, Schwaben und Franken, sogar Bayern und USAmerikaner. Man hört die unterschiedlichsten Sprachen und Dialekte. Bei den Landungsbrücken sprach mich eine junge Frau an und fragte, ob ich wohl ein Foto von ihr und ihrem Freund machen könne. "Selbstverständlich", erwiderte ich, "es wird mir ein Vergnügen sein!" Sie reichte mir die Kamera und stellte sich zu ihrem Freund. Das erste Foto erschien mir recht gelungen, aber ich wusste, dass es noch besser geht: "Könnten Sie vielleicht die Sonnenbrillen abnehmen?" "Kein Problem!" Die Frau setzte die Brille ab, und da ihr Freund es ihr nicht sofort gleichtat, stieß sie ihn an und rief: "Los, zieh die Sonnenbrille aus!" Ich stutzte: Hatte ich richtig gehört? "Haben Sie gerade gesagt, er soll die Brille ausziehen
" Philipp ist Journalist und hat, wie er findet, eine "flotte Schreibe". Damit meint er seinen Schreibstil. Meine "Denke" sei manchmal ganz schön verdreht, sagt er. Ich denke, mit "Denke" meint er meine Denkweise. Als ich zuletzt bei Philipp und seiner Freundin Maren zum Essen eingeladen war, sagte ich anerkennend: "Du hast eine flotte Schreibe, und Maren hat eine tolle Koche! Das ist die perfekte Mische!" Philipp stutzte, dann verstand er und erwiderte lachend: "Und du hast hoffentlich eine gute Verdaue, denn es gibt noch Nachtisch!" Mein Freund Henry hätte weniger Nachsicht. Er brachte seine Einstellung zur umgangssprachlichen Verkürzung einmal auf folgende Formel: "Coole Denke, flotte Schreibe - Scheißsprech!" Dabei ist dieser Vorgang nicht einmal neu; einen Hang zur Verkürzung und Vereinfachung hat es immer schon gegeben. Schon früher machte man umgangssprachlich "die Biege" und rauchte verkürzt eine "Zige" oder "Zise"
Hermann Bote. Eulenspiegel soll ein Handwerk lernen Seine Mutter drängte ihn, ein Handwerk zu erlernen. Die Mutter tadelte ihn, weil er kein Handwerk erlernen wollte. Er schwieg, aber sie ließ nicht davon ab. Da sagte Eulenspiegel zu ihr: ,,Stetes Bemühen trägt reichliche Früchte, so sagt ein Sprichwort. `` Da sprach die Mutter: ,, Ich habe seit fast vier Wochen kein Brot mehr im Hause. `` ,,Das ist keine Antwort``, erwiderte Till und ging aus dem Haus. Er ging in die Stadt und sah dort eine sehr große und gute Bäckerei. Er wandte sich an den Bäckermeister und sagte: ,,Mein Herr bittet mich, ihm Roggen- und Weißbrot zu zehn Schilling ins Haus zu bringen. `` Er nannte den Namen eines bekannten Herrn aus der Gegend und sagte, dass sich dieser für einige Tage in der Stadt aufhalte und gab auch den Namen der Pension. Er bat den Bäcker, einen Jungen mitzuschicken, damit der Herr diesem das Geld geben könne