Zwiebelfisch: Ziehen Sie die Brille aus! (Tekstianalüüs)
Indem man sich eine
Hose und ein Hemd anzieht, zieht man sich selbst an. Und genauso kann man sich selbst gleichzeitig mitsamt seiner Kleidung
auch wieder ausziehen. So wie in dem Lied von Hildegard Knef, das vom Leben einer Stripperin erzählt: "Ich zieh mich an und
langsam aus". Hildegard Knef trug übrigens gern große, auffällige Sonnenbrillen. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, ob die
Knef die Brillen an und langsam wieder auszog. Möglich, dass sie bestimmte Brillen geradezu magisch anzog wie ein Magnet,
aber als Berlinerin wird sie diese schön brav "uff" ihre "Nese" "jesetzt" haben und nicht etwa "uff" dieselbe "jezogen".
Der hochdeutsche Sprachstandard lässt das An und Ausziehen nur in Hinsicht auf Kleidung zu. Einschließlich der Schuhe, was
sogar zum geflügelten Wort wurde: "Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an!" So einen Satz wird man freilich niemals in einem Film
zu hören bekommen, in dem Sarah Jessica Parker die Hauptrolle spielt