Schließlich will er eines Tages doch seine Dissertation machen! Als mich mein Freund Philipp zu einer Spritztour in seinem neuen Audi TT mitnahm, sagte er mit Blick auf den Benzinstandanzeiger: "Wir müssen noch schnell zur Tanke!" Philipp ist mittlerweile auch schon jenseits der 40, sodass man sehr viel guten Willen aufbringen muss, um ihm das noch als "Jugendjargon" durchgehen zu lassen. Dafür regt Philipp sich über die Jüngeren auf, die zum Teil nur noch elliptische Sätze herausbringen wie: "Ich fahr Tanke!" Philipp ist Journalist und hat, wie er findet, eine "flotte Schreibe". Damit meint er seinen Schreibstil. Meine "Denke" sei manchmal ganz schön verdreht, sagt er. Ich denke, mit "Denke" meint er meine Denkweise. Als ich zuletzt bei Philipp und seiner Freundin Maren zum Essen eingeladen war, sagte ich anerkennend: "Du hast eine flotte Schreibe, und Maren hat eine tolle Koche! Das ist die perfekte Mische
Seiten lange Kapitel tragen treffende Titel (Die Reise, Das Meer, usw.), die den Gestus der Transparenz wissenschaftlicher Abhandlungen imitieren. Der lakonische Stil kurzer Sätze ist die Basis für an das Deutsch des 19. Jahrhunderts erinnernde Wendungen und die überwiegend in indirekter Rede geschriebenen Dialoge, welche mehr als nur eine historische Distanz des Autors zu seinen Figuren signalisieren. Im Mikrobereich der Abschnittswechsel sorgen z. B. elliptische Überblendungen für Dynamik: ,,Er [Humboldt] müsse Gauß unbedingt sagen, dass er jetzt besser verstehe." Und ohne dass Gauß über diesen Gedanken per Post informiert sein könnte, setzt dieser 1800 Kilometer weiter westlich im direkt folgenden Absatz fort: ,,Ich weiß, daß Sie verstehen." In dieser fiktiven Doppelbiografie haben die Lebensläufe der beiden Hauptfiguren keine weiteren Berührungspunkte